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Alt 27.09.2016, 08:04   #1 (permalink)
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Standard Zum Thema "Kummerpferd" - Die Entwicklung eines Pferdes (:

Hallihallo - bin gerade auf ein altes Thema gestoßen. Habe einen Text verfasst & blöderweiße dann festgestellt, dass das Thema bereits in 2013 behandelt wurde
Dennoch habe ich mir gedacht könnte ich es hier teilen ....


Mein Beitrag zum veralteten Thema "Kummerpferd".


Im Juli letzten Jahres habe ich mir meinen Traum erfüllt und bin auf die Suche nach dem passenden Pferd für mich gegangen. Schließlich bin ich bei einem Händler gelandet, der laut einer Freundin „richtig gute Pferde hat und mit dem du keine Probleme haben wirst“. Also sind wir zu ihm hin.
Wir wollten ein zuverlässiges, ruhiges Pferd, welches sich auch eventuell als Gewichtsträger eignet. Ja, meinte er, er habe das perfekte Pferd für uns. Wir gingen auf seine Koppeln und sahen sie dort das erste Mal. Schwarz, kräftiger Hals, glänzendes Fell und kräftiger Körperbau. Eine ungarische Warmblutstute. Geputzt und Probegeritten. Sie war sehr brav und wirkte damals ausgeglichen.
Für mich stand fest – dieses Pferd möchte ich.

Sie kam und mit ihr auch ihre Ängste und ihr Trauma – was als „Kummerpferd“ begann, wird hoffentlich als „Herzenspferd“ enden.
Eine Woche nach dem Kauf brachte der Händler sie zu uns. Das Bild, welches sich mir bot war ein schrecklich. Babsi war nassgeschwitzt und hatte Panik in den Augen. Er hatte sie einfach herumgezogen und in keiner Weise versucht sie zu beruhigen oder die Panik zu nehmen. Nie wieder würde ich ein Pferd von einem Anderen fahren lassen, außer meinen Vertrauenspersonen. Das würde ihr nicht mehr bei uns passieren. Intensives Hängertraining war die Folge. Anfangs lief sie noch weg, wenn sie den Hänger nur sah.
In den nächsten Wochen lief es gut weiter. Wir gingen mit beiden Pferden ausreiten und es schien für einen Moment alles perfekt. Die Stuten freundeten sich an, der Alltag mit Beiden normalisierte sich und auch das ausreiten und die Dressurarbeit mit ihr klappte. Irgendwann machte es „klick“ und es war auf den Schlag ein anderes Pferd!
Das Ausreiten klappte nicht mehr. Babsi drehte um, wenn sie keine Lust mehr hatte und ging nach Hause. Einmal auch im Galopp. Sie war nicht mehr zu bremsen. Keine Chance sie auch nur zum weiter gehen zu überreden. Also gut, wir versuchten das Spazierengehen. Vertrauen aufbauen und Verbindung zu ihr fördern. Das Resultat war Steigen, beißen und so weiter. Volles Programm. Die Frage stand im Raum: Sollen wir aufgeben? Wir entschieden: Sie bleibt! Irgendwann muss auch sie zur Ruhe kommen können. Auf dem Reitplatz wurde das Reiten nach und nach ebenfalls zur Katastrophe. Rechtsgalopp wollte sie nicht mehr und auch ihre Motivation war sehr begrenzt & sie begann zu bocken und stehen zu bleiben.
Nächster Punkt: der Hufschmied musste kommen, ein Hufeisen war ab. Er kam, wir versuchten das Eisen zu entfernen, doch sie wehrte sich. Hatte Angst und Panik in den Augen. Babsi ließ den Schmied kaum an sich heran. Letztlich konnten wir irgendwie das zweite Eisen entfernen. Dennoch – die Hufe waren zu lang, sie mussten ausgeschnitten und bearbeitet werden. Aber was soll man tun, wenn der kompetente Schmied (ich kannte ihn von meiner RB, ganz toller Schmied!) schon schimpft und meint dass es 100.000 brave Pferde gibt und wir so einen „blöden Schei*-Gaul“ erwischt hatten. Er riet uns dringend zur Rückgabe. Doch mir war bewusst, dass sie kein langes Leben mehr haben würde, hätten wir sie zurückgegeben. In der Familie entschieden wir uns schließlich: Sie bleibt! Wir fanden eine Hufpflegerin. Sie kam. Mit viel Geduld, Leckerlis und gutem Zureden hat das Bearbeiten der Hufe geklappt. Wir haben besagte Hufpflegerin auch heute noch und sind sehr zufrieden.
Sie war ein Pferd mit vielen Baustellen: Umgang war eine Katastrophe, die Dressurarbeit klappte nicht mehr, Ausreiten und auch das Hänger fahren ein Drama, Longieren ließ sie sich nicht. Hufpflege und speziell der Umgang mit Männern war schrecklich.
Ich gab nicht auf. Wollte ihr ein gutes Zuhause – wenn möglich FÜR IMMER bieten. Also begannen wir mit der Vertrauensarbeit. Boden- und Freiarbeit.
Beides nicht nach Lehrbuch, sondern nach meinen Empfindungen und Beobachtungen. Angelehnt an das Join-Up. Aber ich verließ mich mehr auf mein Gefühl und auf meine Stute. Darauf, was ihr scheinbar gut tat. Häufig kamen Tritte in meine Richtung, angelegte Ohren und sichtliche Drohgebärden. Davon ließ ich mich nicht beeindrucken und macht weiter. Sie lief immer ganze Bahn – nur schnell weg von „der“. Mit Hilfe einer Homöopatin begann ich nebenbei noch eine „Trauma-Bewältigung“ parallel zu der Arbeit mit ihr. Mit der Zeit bemerkte ich wie sie mir gegenüber offener wurde. Sie ließ sich auf mich ein. Bekam ein Gespür dafür und lernte auf meine Stimme und Körpersprache zu reagieren.
Beim Führtraining rempelte sie mich nicht mehr rücksichtslos an, sondern blieb stehen, wenn ich stehen blieb. Begann rückwärts zu gehen, wenn ich ihr das Stimmkommando gab. Heute reagiert sie super auf die Stimmkommandos, die Körpersprache und bleibt bei mir auf dem Zirkel.
Wir begannen wieder mit dem Reittraining. Viel „vorwärts-abwärts“, wenig „Dressurhaltung“. Mit der Zeit veränderte ich das Verhältnis. Verknüpft jedoch immer mit Boden- und Freiarbeit. Gerade wenn ich den Eindruck hatte sie zweifelt oder sie hat keine Motivation mehr, begann ich die Lektion mit Freiarbeit.


Wir sind noch nicht an dem Punkt angekommen, zu dem ich will, aber wir sind einen sehr großen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Im Umgang ist sie sehr auf mich fixiert. Sie nimmt mich wahr und achtet auf mich. Die Dressurarbeit auf der Reitkoppel ist viel besser geworden.
Ausreiten ist noch aktueller „Brennpunkt“. Wir können ohne Begleitperson am Boden ins Gelände gehen. Sie dreht nicht mehr um. Zeigt teilweise noch Ansätze davon, denen kann ich gut entgegen wirken. Ich pariere sie zum Stehen durch. Hole ihren Kopf herum, streich ihr einmal über die Nase und rede mit ihr. Meistens schnaubt sie einmal ab und wir können weitergehen. Das Hängerfahren klappt mittlerweile auch.

Es ist unglaublich wenn man die Entwicklung innerhalb eines Jahres betrachtet. Die Zeit hat mich viel Kraft gekostet. Ich wusste und weiß bis heute nicht was sie durchgemacht hat. Das Einzige, worin ich mir sehr sicher bin, ist dass sie vor ca. 2 ½ Jahren aus Ungarn kam.

Meine Erwartung waren andere: lange Ausritte, kleinere Turniere und die Teilnahme an Leonhardi-Ritten. Aber ich habe gelernt die kleinen Schritte zu feiern und sich langsam weiterzukämpfen. Ihr Trauma ist immer noch präsent. Aber das benötigt Zeit. Zeit, die ich ihr geben werde, damit wir die noch vorhandenen Ängste und Zweifel besiegen und gemeinsam einmal die Welt erobern können.



- Änderung am 12.06.17 - Fotos entfernt





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Geändert von mellimaus_ (12.06.2017 um 20:05 Uhr)
mellimaus_ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.09.2016, 20:52   #2 (permalink)
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Glückwunsch und weiter so mit den kleinen Schritten !


LG aus Niederbayern
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Alt 27.09.2016, 21:35   #3 (permalink)
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Hast Du Papiere zu dem Pferd? Ungarische Warmblutpferde sehen anders aus... Aber ist ja auch egal, ich wünsch Euch jedenfalls weiterhin ganz viel Erfolg und Freude zusammen!
Schecki ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2016, 12:03   #4 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Schecki Beitrag anzeigen
Hast Du Papiere zu dem Pferd? Ungarische Warmblutpferde sehen anders aus... Aber ist ja auch egal, ich wünsch Euch jedenfalls weiterhin ganz viel Erfolg und Freude zusammen!
Ja Schecki. Den ungarischen Pass habe ich. Auch die Frachtpapiere. Sie hat einen Chip. Es wurde von meinem Tierarzt überprüft. Chip & angegebene Chip-Nr. im Pass stimmen überein. Die ungarische Behörde konnte/ wollte mir bzgl. ihrer Vorgeschichte leider nicht weiterhelfen.

Inwiefern denkst du?
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mellimaus_ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2016, 12:19   #5 (permalink)
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Equidenpass da kann man reinschreiben was man will. Die Zuchtpapiere, bzw der Eintrag ins Zuchtbuch gibt Aufschluss welche Rasse es ist.
Ist aber egal, Papiere ist was für Menschen, die mehr sein wollen als sie sind.

Von der Rasse sieht es aus wie eine Mischung von Friese und Warmblut. Wir hatten so was mal, das sind extreme Gewichtsträger. Im Unterricht ritt da immer ein Mädchen mit mehr als 140kg drauf, Aufsteigen war schwierig, aber da sie gut gezahlt hat, haben wir sie immer mit dem Frontlader auf die richtige Höhe gehoben, also sie saß in der Schaufel und wir führten das Pferd unter sie. Schade dass es da noch keine Handykameras gab. Runter kam sie von alleine.
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Gruß
Michael

Neue bahnbrechende Methode aus den USA. In den USA hat ein Arzt seinen Finger in den Popo gesteckt und dann den schwer kranken Patienten daran riechen lassen. Der Patient wurde darauf hin gesund. Die Schulmedizin kann das nicht erklären. Der Arzt sagte man müsste der Krankheit den Stinkefinger zeigen, damit sie beleidigt abhaut. Bis heute feiert die Methode unbeschreibliche Erfolge, wie gut informierte Facebookuser erzählen.
oldMichael ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2016, 12:30   #6 (permalink)
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Ja vermutlich hast du recht... Mir ist es aber eigtl egal, welche Rasse sie ist
Hauptsache ihr Verhalten passt & wir haben Spaß zusammen.

Aber ja vom Körperbau geht sie eher Richtung Kaltblut. Der Bauch ist momentan aber schon fast wieder bissi zu viel ....
Aber vor allem ihr Kopf ist unglaublich groß & die Ohren sehr lang - da passen nicht mal alle Fliegenohren Größe WB


Oha... das ist schon ein Gewicht. Auch wenn ein Pferd Gewichtsträger ist, finde ich sollte man sie nicht derart belasten. 140kg sind für keinen Menschen gesund. Bevor man sich so aufs Pferd setzt - erstmal abnehmen. Des Pferdes und der eigenen Gesundheit wegen
(Meine Meinung!) aber wie heißt es so schön: Geld regiert die Welt.....
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mellimaus_ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2016, 12:35   #7 (permalink)
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Zitat:
Zitat von mellimaus_ Beitrag anzeigen
Oha... das ist schon ein Gewicht. Auch wenn ein Pferd Gewichtsträger ist, finde ich sollte man sie nicht derart belasten. 140kg sind für keinen Menschen gesund. Bevor man sich so aufs Pferd setzt - erstmal abnehmen. Des Pferdes und der eigenen Gesundheit wegen
(Meine Meinung!) aber wie heißt es so schön: Geld regiert die Welt.....
Ich wuchs bei Pferdehändler(1973-1987) auf, das sind noch die guten Geschichten.....
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Alt 28.09.2016, 17:19   #8 (permalink)
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Danke für diese inspirierende Geschichte! Ich wünsche euch alles Gute!
manala ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2016, 17:35   #9 (permalink)
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Ich seh das genauso wie Du, Mellimaus, es ist völlig egal, was für ein Mix da steht, und auf Papieren kann man eh nicht reiten. Wichtig ist, dass Ihr Euch so toll zusammengefitzt habt - ich kann das sehr gut nachvollziehen, habe selber erst vor ein paar Monaten ein unreitbares Problempferd gekauft. Meine Neuerwerbung ist eigentlich auch von der Figur her nicht mein Beuteschema, ich habe bisher nur Warmblüter, also groß, hoch, schlank, sportlich, gehabt und habe sie noch. Die Neue ist eine sehr gut genährte Stute im Ponytyp, hat volle Papiere als Kleines Deutsches Reitpferd und ist mit 1,60 nun auch nicht zu klein, aber im Vergleich zu unseren anderen Pferden ist sie eben doch ein dickes Pony, hihi Der Sturschädel ist auf jeden Fall Pony!
Schecki ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2016, 20:06   #10 (permalink)
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Hübsch ist SIE und hat meine Lieblingsfarbe !

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