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Registriert seit: 31.01.2012
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Hast Du Zeit? Das wird jetzt nämlich länger.
Mein Pferd ist 17, festgestellt wurde es, als er 15 war. Es ist ein Araber. Nach Aussage unseres TA kommt die Krankheit fast ausschließlich bei den Robustrassen und bei AV vor. Etwas seltener ist übrigens Dein Fall mit einer Stute, es sind vorwiegend Wallache, die EOTRH bekommen.
Ich habe das Glück, einen TA zu haben, der zusätzlich die Ausbildung zum Dentisten nach IGFP hat. Das soll jetzt nicht heißen, dass Dein TA schlecht ist. Wenn Du einen guten Eindruck von ihm hast und er weiß, was er tut, solltest Du natürlich immer darauf hören, was er meint. Ich habe zwar leider jahrelange Erfahrung, bin aber natürlich kein TA, sondern kann Dir immer nur von meinen Erfahrungswerten berichten.
Und auch wenn wir schon eine OP hinter uns haben - wenn Euer TA meint, Ihr könnt mir dem Ziehen noch warten, dann machst Du das natürlich. Ein Leben ohne Schneidezähne ist für ein Pferd zwar problemlos möglich, aber dennoch lässt man ja keine Zähne ziehen, wenn es nicht sein muss.
Was sich mir allerdings überhaupt nicht erschließt, ist diese Logik mit dem Druck auf den Backenzähnen. Da kannst Du ja vielleicht nochmal nachfragen, die Begründung würde mich interessieren.
Dazu muss man etwas über die Krankheit an sich ausholen. EOTRH ist ja eine Autoimmunkrankheit, bei der Zahnschmelz vom eigenen Speichel angegriffen wird. Der Zahn "wehrt" sich, indem er übermäßig Zahnstein bildet und den Zahn einhüllt, so dass er vermeintlich nicht mehr vom Speichel angegriffen werden kann. Leider bildet sich der Zahnzement ja auch um die Wurzel, was man nur auf den Röntgenbildern sehen kann. Die Wurzel wird immer dicker und dadurch erhöht sich der Druck im Zahnfach auf den Kieferknochen. Das ist es, was die Schmerzen verursacht.
Rein äußerlich kann man EOTRH erkennen an vermehrter Zahnsteinbildung, starke Speichelung, rote Fisteln am Zahnfleisch, Mundgeruch, Speisereste zwischen den Schneidezähnen, Zahnfleischrückgang. Man sagt, auch am Verhalten, manche Pferde werden wohl ruhiger. Bei meinem hat man da allerdings nichts gemerkt, der war zackig wie immer.
Linderung kann man nur verschaffen, wenn man den Druck nimmt. Vor der OP hat unser TA das erreicht, indem er die Schneidezähne immer stark gekürzt hat, so dass sie nicht mehr aufeinander gekommen sind. Beim Zubeißen sind also zuerst die Backenzähne aufeinander getroffen. Wenn die Schneidezähne zuerst aufeinander treffen, verursacht das immense Schmerzen. Bei meinem Pferd hat man das im letzten Jahr sehr schön gemerkt, er hatte nämlich fast immer die Zungenspitze zwischen den Schneidezähnen, um den Druck abzupolstern. Das hat ihm Erleichterung verschafft. Insofern muss man ja genau den Druck von den Schneidezähnen nehmen, um es zu erleichtern.
Mein Pferd hat nach der OP wieder wesentlich schneller und besser gefressen. Ist ja auch irgendwie klar. Wenn wir Zahnweh haben, schmeckt's uns ja auch nicht wie sonst.
Ein maroder Backenzahn verursacht natürlich auch Schmerzen, der muss raus, aber das habt ihr ja schon geplant. Und wegen einem lächerlichen gezogenen Zahn kannst Du Dein Pferd auf alle Fälle ganz normal in der Herde lassen. Glaub mir, das ist Pillepalle, Dein Pferd wird nach der Sedierung zum Heu marschieren und fressen, als wenn nichts gewesen wäre.
Zu Deinen Fragen: Es ist, wie gesagt, ein Araber. Ich reite schon seit 8 Jahren aus Überzeugung gebisslos, da hat sich also durch die OP nichts geändert. Du kannst nach der OP auch wieder mit Gebiss reiten, musst dann allerdings zwei Wochen warten. Ich habe eine Woche nach der OP wieder mit reiten angefangen.
Die chinesischen Heilpilze haben bei meinem Pferd rein gar nicht bewirkt, es gibt aber wohl Pferde, da hilft es, sagt unser TA. Es muss aber klar sein, dass sie nicht heilen, nur verzögern. Es gibt zwei gängige Präparate, EquiSano Mushrooms und EquiDent Matrix. Dazu schreibe ich Dir aber lieber eine PN, ich habe da nämlich so meine eigene Meinung, die ich hier nicht öffentlich schreiben möchte.
Ich habe in den Jahren vor der OP so ziemlich alles versucht, damit will ich Dich aber nicht langweilen, das meiste war völlig sinnlos. Meines Erachtes bringt lediglich das mechanische Zähne putzen etwas. Unser TA war nicht dieser Ansicht, musste aber bei seinem nächsten Kontrollbesuch zugeben, dass sich das Krankheitsbild gebessert hatte. Wenn sich das Pferd dran gewöhnt hat, ist es einfach. Man ziehe die Ober- bzw. Unterlippe weg, nehme eine Zahnbürste (weich) und Chlorhexamend Gel. Dann halt einfach die Zähne putzen. Nicht nachspülen. Am besten vorm Putzen oder Reiten, damit das Zeug gut wirken kann. Mit einer Zwischenraum-Bürste habe ich auch noch die Heureste raus geholt. Gute Erfahrung habe ich außerdem mit Theranovis Spray gemacht. Das verhindert die Zahnsteinbildung und löst auch den vorhandenen. Ich konnte die Schicht dann nach 4-6 Wochen mit dem Fingernagel im Platten abkratzen. Ich habe immer versucht zu verhindern, dass sich Zahnstein ansetzen kann. Das geht nur, wenn man die Zähne möglichst glatt hält.
Zusätzlich habe ich mir einen Scaler gekauft, und alle 4 Wochen den Zahnstein entfernt. Es macht auch nichts, wenn beim Putzen das Zahnfleisch etwas blutet. Einfach von dem Chlorhexamed Gel drauf machen ung gut isses.
Aber egal wie, auch das alles hat die Krankheit nicht geheilt, sondern die OP nur verzögert. Mein Wallach war dazu 4 Tage in der Klinik. Lass es auf alle Fälle nur in der Klinik machen. Die Nachsorge kannst Du am Stall gar nicht selbst stemmen. Die ersten drei Tage hatte mein Pferd eine Tamponade im Loch, die nur unter Sedierung gewechselt werden konnte. Die OP incl. 4 Tagen Klinikaufenthalt und einem Nachsorge-Termin am Stall hat 820 Euro gekostet.
Nach den 4 Tagen Klinik habe ich ihn wieder normal zur Herde in den Offenstall gelassen. Es wäre für ihn stressiger gewesen, ihn separat zu stellen und nicht zu den anderen zu lassen. Wir haben aber auch einen kleine ruhige Herde. Hätte ich gemerkt, dass er Stress hat, hätte ich ihn abgeteilt.
Ich musste dann die ersten 4 Wochen noch einmal jeden Tag das Loch ausspülen und nach 6 Wochen war alles erledigt.
Ich hoffe, ich habe alles beantwortet?
Geändert von Kassiopeia (31.01.2012 um 21:06 Uhr)
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