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Abenteuer in Australien – Mona Farm VI

von horsepower, Kategorie Allgemein, Aus dem Leben mit Pferden am 15. Dezember 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Mona Farm in Braidwood.
Dieses Mal: Voltigieren ohne Gurt und Longe, aber dafür mit viel Spaß.

Erste Versuche auf dem zukünftigen Voltigier-Pony

Erste Versuche auf dem zukünftigen Voltigier-Pony

15.12.14

Zu den wirklich großartigen Dingen auf der Mona-Farm gehört, dass alle total aufgeschlossen sind und gerne neue Dinge ausprobieren – auch mit den Pferden. Ich habe zahlreiche Reiter erlebt, die auf keinen Fall irgendetwas an ihrer Routine ändern wollten, egal, wie vielversprechend die neue Methode auch sein mochte. Für mich ist es super, dass ich mit Luki so arbeiten kann, wie ich möchte (momentan entdecke ich Bestätigung und neue Anregungen für mein Training mit Luki in ‘Horses never lie’, einem echt tollen Buch von Mark Rashid.)

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeden zweiten Tag eine neue Methode eingeführt wird. Es ist nur einfach toll, vielversprechende Ideen – und meistens sind es ja Kleinigkeiten, auf die es ankommt – auch tatsächlich ausprobieren zu können, um zu sehen, ob das für mich und mein Pferd funktioniert. Was Bella, Roses älteste Tochter (sie ist 13) versuchen wollte, war aber was ganz Anderes: Tricks auf dem Pferderücken. Natürlich haben wir uns in den vergangenen Wochen darüber unterhalten, wer wann und wie angefangen hat zu reiten, und was sonst alles so mit Pferden gemacht wurde. Ich habe mit zehn Jahren angefangen zu reiten, da habe ich aber schon ein paar Jahre im Reit und Fahrverein Hoisbüttel voltigiert (wo ich, wie ich mit Stolz sagen kann, ein unglaublich gutes Training genießen durfte). Das war hier das Stichwort. Interessanterweise ist mir bisher noch nicht ein Aussie begegnet, der nicht wusste was Voltigieren ist, in Deutschland hingegen muss ich das häufig erklären – dabei sind die Deutschen ziemlich erfolgreich in dem Sport.

Bella und ich haben also ihr Pony Nina Noo aus dem Paddock geholt. Mit Nina, die ein Welsh B-Andalusier-Mix ist, kann man alles machen, das Pony ist ein Traum. Das Problem war leider, das wir keinen Voltigurt hatten. Es gibt zwar ein Bare-Back-Pad, das hat auch einen kleinen Griff, aber eben keine festen Griffe. Egal, wir wollten ja keinen Leistungssport betreiben. Dass ich in weiser Voraussicht meine Voltischuhe mit nach Down Und gebracht habe, erwies sich als hilfreich. Um das Ganze zu vereinfachen, haben wir Nina nicht longiert, sondern einfach im Dressurviereck ‘geparkt’. Los ging es, ich habe Bella gezeigt, was sie alles versuchen kann: Grundsitz, Fahne, Knien, Stehen, Rolle seitlich am Pony runter. Eben alles, wofür man nicht unbedingt feste Griffe braucht.

Mich hat dann natürlich noch der Ehrgeiz gepackt und ich habe versucht, auf einem Bein zu stehen. Das war ein bisschen wackelig, ich habe es aber geschafft. Nicht umsonst hatte ich an dem Tag ein Shirt an, auf dem ‘Teufelsweib’ steht. Hat alles super geklappt, Nina war brav, Bella und ich hatten Spaß und haben nebenbei vielleicht auch ein bisschen was für unser Balancegefühl auf dem Pferd getan. Voltigierer werden mitunter noch immer belächelt, ich kann jedem Reiter nur empfehlen, mal freihändig zu galoppieren (wahlweise auch ohne Steigbügel, Kombinationen aus beidem sind denkbar). Ist irre gut für einen tiefen Sitz, unabhängig von der Hand. Die meisten trauen sich nur nicht…

Wir wollen solche Übungen auf jeden Fall in die Reitstunden für die drei jüngeren Kids einbauen, damit sie lernen, sich in jeder Situation sicher auf dem Pferd zu fühlen – auch ohne Zügel in der Hand. Rose denkt zudem ernsthaft über die Anschaffung eines Gurtes nach. Freut mich, wenn ich als Botschafterin für ‘meinen’ Sport fungieren konnte.

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Abenteuer in Australien – Mona Farm V

von horsepower, Kategorie Allgemein, Aus dem Leben mit Pferden am 10. Dezember 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Mona Farm in Braidwood.
Dieses Mal: Allein daheim mit Friesenhengst und Schimmelpony.

Luki auf der Weide

Luki auf der Weide

8.12.14
Es ist Zeit, mal wieder von meinem Projektpferd Luki zu berichten. Ich arbeite jetzt seit gut vier Wochen mit ihm und muss sagen: Ich habe selten (!) ein so tolles Pferd gehabt. Luki macht alles super mit und wir erzielen gute Fortschritte. Vor dem blauen Putzkasten, den ich zum Aufsteigen benutze, hatte er anfangs etwas Angst. Es hat immer eine Weile gedauert, bis er das Ding neben sich akzeptiert hat. Inzwischen guckt er nicht mal mehr hin und bleibt artig daneben stehen. Bevor ich mich draufsetze, steht allerdings immer erst etwas Bodenarbeit an, mit variierenden Übungen. Über die Europalette läuft Luki super drüber, am drauf Stoppen mit allen vier Hufen arbeiten wir noch. Ich kann ihn übrigens auch darüber reiten…Die blaue Plane betrachtet er anfangs immer etwas skeptisch, aber auch da geht er inzwischen drüber und bleibt auch schon drauf stehen. Im Sattel habe ich das allerdings noch nicht versucht. Ansonsten arbeiten wir am Boden viel an der Biegung, an Seitengängen und weiterhin mit Stangen. Beim Reiten ist seine Balance bereits viel besser geworden. Er kommt an den Zügel und bietet inzwischen auch Vorwärts-Abwärts an, beides auch im Trab. Links biegt er sich schon gut, rechts (so rum führen hier die meisten Rennbahnen) müssen wir noch ein bisschen dran arbeiten. Dass er rund geht sieht man auch – er hat ein ganz bisschen Oberhalsmuskulatur entwickelt, was insbesondere mich, aber auch die anderen hier echt freut. Kürzlich habe ich ihn auch das erste Mal galoppiert. Er springt noch nicht direkt an, sondern macht ein paar eilige Trabschritte vorher, das müssen wir noch ‘loswerden’. Auf der Linken Hand war es im Galopp ansonsten gut. Andersherum allerdings kommt das Rennpferd durch. Nicht dass er rennt, aber er läuft mir über die Schulter weg und versucht, möglichst dicht am Zaun zu laufen. Da wartet noch ein bisschen Arbeit auf uns. Das dauert vermutlich noch eine Weile, ich galoppiere ihn nämlich nicht jedes Mal, sondern nur, wenn er sich wirklich gut anfühlt und die Stellung und Biegung im Trab gut ist.

Erste Halsmuskeln wachsen

Erste Halsmuskeln wachsen

Luki ist auch außerhalb des Platzes ein Traum. Mit Roses ältester Tochter Bella war ich ‘ausreiten’. Das bedeutet in diesem Fall, dass wir das Gelände nicht verlassen haben, sondern um das ganze Anwesen herumgeritten sind. Die Mona-Farm ist aber so groß, dass das gute 30 Minuten in Anspruch nimmt. Luki war großartig. Das Pony neben ihm hat ihn nicht dazu veranlasst, ein Rennen zu startem und das Känguru im Gebüsch hat ihn zwar erschreckt und er ist weggesprungen (welches Pferd würde das nicht), dann ist er aber direkt stehen geblieben, hat sich die Sache angeguckt und meine Reaktion abgewartet. Das Einzige, was er nicht mag, sind Dinge direkt über ihm, Äste zum Beispiel und, wenn ich mich – um eben diesen auszuweichen – im Sattel zu sehr bewege. Auch im Trab auf dem Platz hilft es, wenn man nicht nach vorne fällt, denn dann legt er gleich einen Zacken zu – Ex-Rennpferd eben.
Luki ist wirklich ein großartiges Pferd und ich bin echt froh, dass ich mit ihm arbeiten darf.

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Abenteuer in Australien – Mona Farm IV

von horsepower, Kategorie Allgemein, Aus dem Leben mit Pferden am 4. Dezember 2014

Bellas Ponystute Nina

Bellas Ponystute Nina

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Mona Farm in Braidwood.
Dieses Mal: Allein daheim mit Friesenhengst und Schimmelpony.

1.12.2014

Eine Woche lang hatte ich die Mona-Farm ganz für mich allein. Rose war mit den vier Kids bei Bogong Horseback Adventures, der Ranch wo ich ursprünglich bleiben sollte, für einen einwöchigen Trailritt. Die beiden ältesten Kinder Bella (13) und Pasquale (10) haben den Trail mitgemacht, die anderen (Bastian, 8, und Eva, 5) haben die Zeit auf der BHA-Ranch verbracht. Ich hingegen hatte die Gesellschaft von vier Katzen und rund 20 Pferden. Auf einem Anwesen wie diesem kann man gut eine Woche verbringen, auch allein. Viele traumhafte Plätze an denen man gut sitzen und lesen kann. Abgesehen davon bin ich natürlich viel geritten. Luki selbstverständlich, der sich gut macht.

riding isador

Friesenhengst Isador

Aber hier ging ein Wunsch in Erfüllung, den ich als kleines Mädchen immer hatte und den vielleicht jedes kleine Mädchen hat: der schwarze Hengst. Da Rose von meinen Fähigkeiten als Reiterin ziemlich angetan ist, hat sie mich gebeten, Isador zu reiten, während sie weg ist. Isador, mit vollem Namen Isador of Ravens Lodge (und Isidor gesprochen), ist ein friesischer Deckhengst, vier Jahre alt und die Kleinigkeit von 30.000 € wert. Er ist sehr ausgeglichen, insbesondere für einen Hengst , aber das ist bei Friesen nicht untypisch. Isador zeigt noch ein sehr friesisches Merkmal (jedenfalls hatten es alle Friesen, die ich kenne): Er ist recht faul. Ich musste auf dem schwarzen Hengst echt arbeiten, damit er sich vernünftig bewegt. Und den Trab zu sitzen ist schwierig. Ich kann ihn vielleicht zwei Zirkelrunden aussitzen, dann muss ich wieder leichttraben. Diese barocken Bewegungen mit den hohen Vorderbeinen sehen spektakulär aus, sind aber nicht einfach zu reiten. Der Galopp ist dafür großartig und toll bergauf gesprungen. Für seine erst vier Jahre ist er ein prima Pferd und fantastisch anzusehen. Insbesondere der Hals ist enorm.

Abgesehen von Isador hatte ich Bella versprochen, ihre Ponystute Nina zu bewegen. Ich glaube, mich hat noch nie ein Pferd so überrascht wie der kleine Schimmel. Etwas so Rittiges habe ich selten erlebt. Zügel aufnehmen und ein bisschen Schenkelkontakt reichen aus und Nina ist da und arbeitet willig mit. Ich habe es genossen sie zu reiten. Insbesondere, weil ich so einige Aufmerksamkeit auf mich selbst verwenden konnte. Wie ist mein Sitz, wie trage ich meine Hände, Position der Beine etc. Nina ist mit Andalusier – Welsh B allerdings auch eine etwas eigenwillige Rassenkombination, die aber ein erstaunliches Ergebnis bringt. Im Prinzip ist sie an spanisches Pferd in einem Ponykörper.
Es gibt hier noch das ein oder andere Pferd, auf dem ich noch nicht drauf saß und ich bin gespannt, was sich da noch verbirgt.

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Abenteuer in Australien – Mona Farm III

von horsepower, Kategorie Allgemein, Aus dem Leben mit Pferden am 26. November 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Mona Farm in Braidwood.
Dieses Mal: CSI Braidwood – mit glücklichem Ausgang.

24.11.2014
Kürzlich spielten sich hier Szenen ab, wie ich sie bei einem Tierarztbesuch noch nie gesehen habe. Aber der Reihe nach. Mit Isador of Ravens Lodge hat Rose einen wirklich schönen Friesen-Deckhengst. Das ist auch in der Umgebung, der Mona-Farm nicht verborgen geblieben. Folglich kam ein Pferdebesitzer aus der Gegend mit zwei Stuten, die er gerne gedeckt hätte. Rose hat die Stuten immer eine Weile hier, bis sie rossig sind etc. In Australien wird nämlich noch viel im Natursprung gedeckt. Sunny und Valentine kamen also an. Als Fuchsstute Sunny vom Hänger kam, guckten Rose und ich uns leicht verwundert an. Das arme Ding ist irre mager und hat sich im Gesicht fast das ganze Fell weggescheuert. Aber wie das so ist, sagt man nicht einfach ‘nimm dein Pferd wieder mit’, sondern ist höflich und bringt die Stuten erstmal gut unter. Wir waren uns einig, dass der Versuch, Sunny tragend werden zu lassen, keine gute Idee ist. Allein schon, weil wir befürchteten, sie könnte unter dem Gewicht des Hengstes schlicht zusammenbrechen. Rose tendierte also dazu, ein paar Tage abzuwarten, das Pferd zu beobachten und dem Besitzer dann mitzuteilen, dass diese Stute auf keinem Fall gedeckt wird. Valentine, die andere, sah gut aus.

Am nächsten Tag bemerkten wir, dass Sunny Nasenbluten hat, folglich wurde der Tierarzt angerufen. Das hatte zur Folge: Alle weg von dem Pferd, sofort die Kleidung wechseln und alles was in der Nähe der Stute getragen wurde umgehend heiß waschen, es könnte das Hendra-Virus sein. Das ist ein – soweit ich weiß – bisher nur in Australien auftretender Virus, der von Fruit-Bats (Flughunden) übertragen wird. 1994 gab es die ersten Fälle schwerer, durch Hendra verursachter Atemwegserkrankungen bei Pferden – mit tödlichem Ausgang. Das Virus kann via Pferd auch auf den Menschen gelangen – ebenfalls mit potentiell tödlichen Folgen. Mehrere Trainer und Tierärzte sind Hendra bereits erlegen, damit ist also nicht zu spaßen. Schon beim Telefonat sagte Tierarzt Craig zwar, dass es unwahrscheinlich sei, dennoch mussten wir natürlich auf Nummer sicher gehen. Ein großes Problem ist, dass Hendra keine eindeutigen Symptome hat. Wenn das Pferd wacklig auf den Beinen ist, kann es ein Anzeichen sein, Husten ebenso, oder auch Indikatoren, die eigentlich für eine Kolik sprechen.

Sunny

Sunny

Als der Tierarzt kam, begann ‘CSI Braidwood’. Bevor er an die Stute ging, wurde der Ablauf genau besprochen. Rose hat, mit Handschuhen bewaffnet, Sunny über die Boxentür festgehalten. Mit einem Halfter, das danach mit keinem anderen Pferd in Berührung kommen durfte. Craig trug nicht nur Handschuhe, sondern eine komplette Schutzausrüstung mit Atemmaske, Schutzbrille, Gummistiefeln und blauem Overall. Das sah aus wie in einer Krimiserie. Hätte er noch ein Band mit ‘Crime Scene – Do Not Cross’, oder in dem Fall eher ‘Vet Scene – Do Not Cross’ angebracht, ich wäre nicht überrascht gewesen. Sunny ist augenscheinlich nicht besonders viel Umgang gewöhnt, war dafür aber sehr artig. Die Idee der Blutproben fand sie weniger toll, da musste sie jedoch durch. Nachdem Craig fertig war, wurden Gummistiefel, Overall etc. einzeln in schwarze Plastikbeutel gepackt und diese versiegelt. So ein Szenario habe ich echt noch nie gesehen.

Als ‘Beigeschmack’ hat der Tierarzt noch festgestellt, dass Sunnys Zähne in katastrophalen Zustand sind, was auch erklärt, warum sie so dürr ist. Sie ist auf jeden Fall über 20 Jahre alt. Es gibt also definitiv kein Fohlen für diese Stute, das wäre dem Pferd gegenüber nicht vertretbar. Nach der Untersuchung hat Craig seine Einschätzung, dass es wohl kein Hendra, sondern ein schlechter Allgemeinzustand ist, nochmal bestätigt. Dennoch war er an diese Tag nicht mehr in Kontakt mit einem anderen Pferden. Hendra überträgt sich zwar nicht so einfach, aber es ist besser, das Risiko gering zu halten. Einige Tage später kam die Entwarnung, Sunny ist nicht am Hendra-Virus erkrankt. Wäre das der Fall gewesen, hätte hier erstmal alles unter Quarantäne gestanden…

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Abenteuer in Australien – Mona Farm II

von horsepower, Kategorie Allgemein, Aus dem Leben mit Pferden am 18. November 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Mona Farm in Braidwood.
Dieses Mal: Pony-Spiele, Rennpferd-Probleme und Reitpferd-Training.

Ein Bett im Kornfeld...

Ein Bett im Kornfeld...

17.11.2014

Neben ein paar Spielen mit Roses Kindern und den dazugehörigen Ponys – kleine Sprünge, ohne Sattel reiten und dergleichen – habe ich vor allem mit ‘meinem’ Thoroughbred Luki gearbeitet. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass sie mit seiner Rennpferdevergangenheit zusammenhängen. Vom vollständigen Namen Cool Hand Luke mal abgesehen.

Vor einer Weile wurde mir zum Beispiel erzählt, dass Rennpferde keine Belohnungen aus der Hand nehmen, weil sie das nicht kennen. Trifft für Luki definitiv zu: Als ich ihm den Rest von meinem Apfel geben wollte, hat er mich doch etwas irritiert angeschaut. Wie bringt man einem Pferd bei, dass Äpfel und Wurzeln ganz toll sind? Außerdem hat er auch kein, wie es so schön heißt, ‘trockenes Fundament’ mehr, sondern kleine Knötchen an den Beinen. Ein weiterer Punkt sind Luki und andere Pferde. Er ist ein sehr umgängliches und in der Herde eher passives Pferd. Natürlich auch der Letzte in der Rangordnung. Zwar hält er sich gerne in der Nähe der anderen auf, jedoch nie wirklich in der Gruppe. Außerdem findet er es gar nicht lustig, wenn er durch das Koppeltor gehen soll und andere Pferde in der Nähe sind. Muss nicht, könnte aber mit den Startboxen auf der Rennbahn zu tun haben. Dass der Knabe immer noch recht mager und struppig ist und die Hufe noch nicht hundertprozentig wieder so aussehen, wie man es sich wünscht, resultiert indes natürlich daraus, dass er einfach unbeachtet im Paddock stand, bis er zum Schlachter sollte.

Lang

Trotz alldem ist Luki ein sehr vertrauensvolles Pferd, was es einfacher macht, mit ihm zu arbeiten. Beim Aufsteigen hat er anfangs gebockt. Noch so ein Rennpferde-Problem, Jockeys werden eher drauf gehoben. Ich benutze jetzt eine kleine Erhöhung, damit war das Thema erledigt. Natürlich ist auch nicht viel Balance im Pferd. Um das zu beheben machen wir – am Boden wie im Sattel  – viel Stangenarbeit. In der Bodenarbeit lasse ich ihn über die Stangen laufen. Beim Reiten geht es zwischen ihnen hindurch, noch nicht drüber. An seiner Biegung feilen wir ebenfalls in vorsichtigen Etappen.

Was mich besonders freut, ist das er mir soweit vertraut, dass er im Paddock liegenbleibt, wenn ich ihn in einem Moment einsammeln möchte, wo gerade ein kleiner ‘nap’ angesagt war. Ich kann mich dann neben ihn setzen und ein bisschen mit ihm kuscheln. Das sind tolle Momente, besonders wenn ich die Vergangenheit des Pferdes bedenke. Auf dem Platz sind wir inzwischen soweit, dass Trab gut möglich ist. Luki braucht gut eine halbe Runde, um die Balance zu finden, danach entspannt er sich und fängt vorsichtig an, das Gebiss zu suchen.

Stand

Die Arbeit mit ihm macht echt irre Spaß, ich bin gespannt, wie es für uns weitergeht.

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Abenteuer in Australien – Mona Farm I

von horsepower, Kategorie Allgemein, Aus dem Leben mit Pferden am 10. November 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Mona Farm in Braidwood.
Dieses Mal: zwei Umzüge, Wohnen wie bei Jane Austen und ein Horsemanship-Wochenende.

2014-11-06 14.39.3810.11.2014

Von Ballina habe ich mich verabschiedet und bin stattdessen in Mount Beauty bei Bogong Horseback Adventures unterwegs. Dort gibt es Trailritte in den Busch. Ich war direkt einige Male mit. Das macht schon ziemlich Spaß, denn für alle die möchten, besteht auch die Möglichkeit zu galoppieren. Insbesondere bei den dreistündigen Touren, die meistens  von erfahrenen Reitern gebucht werden. In einer sensationellen Umgebung die Berge rauf zu galoppieren, hat schon was. Allerdings bin ich nur fünf Tage bei BHA geblieben. Die haben sich mit Helfern ‘überorganisiert’. Ich bin daher auf die Mona Farm in Braidwood umgesiedelt. Das ist etwa eine Stunde von Canberra entfernt (Randbemerkung: das e wird nicht mitgesprochen) . ‘Mona’ ist der Fluss neben der Farm. Sie gehört Rose Deo, die hier mit ihren vier Kindern lebt und eine Friesenzucht aufbauen will. Das Anwesen ist phänomenal. Es gibt ein altes Kutschenhaus, ein Haupthaus, ein römisches Bad, Ställe und einen See. Vom Rosengarten, dem geheimen Garten und dem Labyrinth ganz zu schweigen. Als wäre ich in einen Jane Austen Roman geraten. Ach ja, etwa 20 Pferde leben hier ebenfalls.

Luki, Ex-Rennpferd

Luki, Ex-Rennpferd

Zu Beginn hat mich direkt eines der interessantesten Pferde-Wochenenden erwartet, das ich je hatte. Bianca Gillanders, eine in Australien sehr angesehene Natural Horsemanship Trainerin, war für einen zweitägigen Lehrgang vor Ort. Und ich durfte mitmachen! Rose hat Luki für mich ausgesucht. Eigentlich heißt er Cool Hand Luke und ist ein Ex-Rennpferd. Zweimaliges Nasenbluten auf der Bahn hat das beendet und Rose hat ihn vor gut sechs Wochen davor bewahrt, zu Hundefutter verarbeitet zu werden. Dabei ist er erst sechs Jahre alt und für ein Thoroughbred (die gängige australische Rennpferderasse) sehr ausgeglichen.

Horsemanship mit Bianca

Horsemanship mit Bianca Gillanders

Im Lehrgang ging es vor allem um den ‘Dance of Dominance’: Dass mein Pferd mir nicht ungefragt auf die Pelle rückt, dass ich gezielt Hinter- und Vorderbeine  bewegen kann; Rückwärtsrichten, Biegen, seitwärts Schicken und Pferde, die sich auf dem Zirkel entspannt bewegen und selbst tragen. Natürlich alles vom Boden aus, nur mit einem Knotenhalfter als Hilfsmittel. Ich war begeistert. Bodenarbeit hat mich schon immer interessiert, leider hat es mir nie jemand wirklich beigebracht, ich habe da als Autodidaktin arbeiten müssen. Entscheidend ist vor allem die Körpersprache und dass die Füße sich nie rückwärts bewegen. Ich bewege das Pferd, nicht das Pferd mich. Außerdem sehr wichtig: nie emotional werden, immer sachlich bleiben. Und es ist ok, wenn ein Pferd mal rückwärts springt, nicht gleich alles versteht oder kurz blockiert. Das hilft Punkte aufzuzeigen, an denen gearbeitet werden muss und die meisten Vierbeiner kommen da schnell durch und es gibt ein harmonisches Ergebnis.

Obwohl wir uns erst am Tag des Lehrgangs ‘kennengelernt’ haben, gaben  Luki und ich eine gute Figur ab, ich arbeite sehr gerne mit ihm. Er ist kein übermäßig dominantes Pferd und sehr engagiert in der Mitarbeit.

Training

Am zweiten Tag ging es zum Abschluss noch in den Sattel, ohne Trense, ebenfalls mit Knotenhalfter. Besonds beeindruckend: Es waren zwei Pferde dabei, die nie zuvor geritten wurden und willig akzeptierten, dass da plötzlich jemand auf ihrem Rücken sitzt.

Wann Luki das letzte Mal geritten wurde, weiß niemand so genau. Anfangs war er angespannt, aber das Biegen und gezielte Bewegen der Hinterbeine hat immens geholfen. Am Ende war sogar ein kleiner Trab drin. Sich nochmals zu vergegenwärtigen, dass Pferde am glücklichsten sind, wenn sie ihre Hufe bewegen können und erst dadurch lernen, still zu stehen, war ebenfalls äußerst hilfreich. Sollten alle Reiter hin und wieder einen Gedanken drauf verwenden.

Ich habe definitiv eine Menge mitgenommen und bin echt froh, dass ich die Möglichkeit hatte, teilzunehmen. Luki ist jetzt mein ‘Projektpferd’ und ich werde weithin mit ihm arbeiten, um ihn zu einem entspannten Reitpferd zu machen.

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Abenteuer in Australien – Tassiriki Ranch VIII

von horsepower, Kategorie Allgemein am 27. Oktober 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Tassiriki-Ranch in South Ballina. Dieses Mal: zutrauliche Kampfpiloten, ein arabisches Dressurtalent und die letzten Tage auf der Tassiriki-Ranch.

Notice27.10.2014
In dieser Woche war ich mal wieder in meiner Funktion als ‘Bereiterin’ im Einsatz. Ich werde hier ja gerne auf alles gesetzt, was jung, nervös oder noch nicht routiniert ist. Wenn es an den Strand geht, reite ich momentan oft Johnny. Der ist, wie viele Pferde hier, Ex-Galopper und sehr empfindlich im Maul. Eigentlich ein ganz tolles Pferd, allerdings noch ein bisschen unruhig. Helen hofft, dass er das ablegt, denn sie spielt mit der Idee, ein Trailguide-Horse aus ihm zu machen. Also ein Pferd, das den Ritt führt. Ich glaube, dass Johnny durchaus das Potential dazu hat. Neulich war er zwar echt nervös, aber welches Pferd wäre das nicht, wenn zwei Kampfjets so tief über ihm fliegen, dass man den Piloten zuwinken könnte? Winken fiel allerdings aus – wir waren alle mit unseren Pferden beschäftigt…

Außerdem musste Paint Max die Ranch leider verlassen. Er war ohne Paddock-Kumpel Sylvester zu nichts mehr zu gebrauchen und hat gerne gebockt. Sein eigentlicher Besitzer hat ihn in Rente geschickt, Max lebt jetzt mit einigen anderen Pferden auf einem Paddock und wird nicht mehr geritten. Dafür hat sein Eigentümer Bruce, ein Natural-Horsemanship-Trainer, ein anderes Pferd vorbei gebracht: Robbie. Eigentlich wurde er Bobby gerufen, den gibt es auf der Tassiriki-Ranch aber schon. Also wurde Bobby zu Robbie Williams. Robbie ist 17 Jahre alt und ein Araber. Ich liebe Araber! In den letzten Jahren wurde er nicht viel geritten, und als erste hier saß natürlich ich drauf. Das heißt, ich saß drauf, nachdem ich den Sattel gefühlte zehn Mal kontrolliert habe – durch den längeren Rücken wirkt es bei Arabern ja hin und wieder so, als liege der Sattel zu weit vorne. Ich war von dem Pferdchen, denn viel Pferd war da nicht unter mir, die Rasse ist ja eher klein, begeistert. Robbie ist echt gut ausgebildet. Die meisten Pferde hier sind eher einfach trainiert. Sie sollen keine Dressurlektionen laufen, sondern Kunden sicher über den Strand tragen – und zwar auch solche, die noch nie vorher auf einem Pferd saßen. Das heißt, auf Zügelzug wird angehalten etc. Robbie kann allerdings Schenkelweichen auch im Trab und hat einem traumhaften Galopp. Und nicht nur das, sogar Galopptraversalen hat er drauf – ich habe lange kein Pferd mehr geritten, das das konnte. Hat echt mal wieder Spaß gemacht.

Robbie, das arabische Dressurtalent

Robbie, das arabische Dressurtalent

Seine Familie war auch unter der Woche hier. Bruce hatte seine hübsche Quarter-Stute Brandy dabei und es ging an den Strand. Allerdings noch nicht mit Robbie, der soll zwar Trailpferd werden, war aber bisher noch nicht am Meer. Dafür war ich mit Dolly unterwegs, einer der Stuten. Sie ist sonst Schulpferd hier und gibt Kindern Sicherheit in der Reitbahn. Von der Abwechslung war sie ziemlich begeistert. Ich bin gespannt, was die letzten Tage hier bringen, denn am Wochenende geht es für mich auf die nächste Ranch. SeerosenWasserfall

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Abenteuer in Australien – Tassiriki Ranch VII

von horsepower, Kategorie Allgemein am 21. Oktober 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Tassiriki-Ranch in South Ballina. Dieses Mal: Ausritte mit preisgekrönten Trabern, Haarteile für Pferde und Hubschrauberrundflüge auf Turnieren.

20.10.2014

Jacques' Stirnzeichnung sieht dem australischen Kontinent verdächtig ähnlich

Jacques, ein eindeutig australisches Pferd

Nachdem ich den Strand zur Genüge kenne, habe ich vom Pferdrücken aus noch ein bisschen was anderes von der Umgebung gesehen und war ausreiten. Natürlich nicht allein, sondern mit Susi. Sie hat ihr Pferd Billie auf der Tassiriki-Ranch stehen, er ist eines von acht Privatpferden. Ich selbst war auf Jacques unterwegs, eindeutig ein australisches Pferd, die Zeichnung auf seiner Stirn sieht dem australischen Kontinent verdächtig ähnlich. Benannt ist er allerdings nach Jacques Cousteau, dessen Dokus ich immer gerne gesehen habe. Jacques war früher mal Traber und hat – laut Helen – um die 100.000 $ Preisgeld erlaufen. Bevor er zur Ranch gehörte natürlich. Mit knapp 1,60 m Stockmaß gehört er hier zu den größeren Vertretern.

Allerdings ist mir aufgefallen, dass mein Verständnis von einem großen Pferd mit dem Hiesigen etwas auseinander geht. Während die meisten hier Jaques eher groß finden, finde ich seine Größe durchschnittlich. Das kommt wohl davon, wenn man als kleines Mädchen angefangen hat zu voltigieren und folglich ziemlich früh an große Pferde gewöhnt ist. Zu reiten ist Jacques jedenfalls ganz toll. Wir waren im Wald, wo es ein gigantisches Bienennest zu sehen gab – zum Glück mit einigem Abstand, denn es ist bewohnt. Ganz ohne Blick auf den Strand ging es natürlich nicht, von dort sind wir durch die Zuckerrohrfelder zurück geritten. Allerdings sollte man sichergestellt haben, das man dort reiten darf, sonst reagieren die Farmer sicherlich ähnlich ungehalten wie deutsche Landwirte, wenn ungefragt Reiter im Feld auftauchen. Hat in jedem Fall eine Menge Spaß gemacht.

Ende der Woche stand wieder eine Horse Show an, diesmal in Lismore, das ist etwa eine Autostunde von der Ranch entfernt. Dass das in Australien etwas anders abläuft als deutsche Turniere, habe ich ja schon erfahren, aber Lismore war der Knaller. Das ist eine der größeren Shows, aber nach wie vor alles für Amateure. Während man in Deutschland die Mähne des Pferdes einflicht und es damit mehr oder minder turniertauglich ist, bedarf das hier ein bisschen mehr der Vorbereitung. Vor Ort kommt erst mal schwarzes Gloss auf die Hufe. Was es alles für Pferde gibt, ist unglaublich. Cremes in jeder Couleur um die natürliche Farbe zu unterstützen. Abzeichen werden gerne ‘nachgeweißt’ und zum Beispiel schwarze Beine auch noch mal dunkler gemacht. Baby-Öl macht das Fell glänzend und mit Haarspray wird das Muster fixiert, dass auf die Kruppe gekämmt wurde. Um ehrlich zu sein, ist das nicht so meine Welt, ich finde das etwas übertrieben. Einige Pferde erinnern später mehr an ein Barbie-Pferd als an eine echten Vierbeiner. Was mich wirklich zum Lachen gebracht hat, war allerdings der falsche Schweif. Die flechten den Pferden Haarteile ein, damit der Schweif voller aussieht – ist das zu fassen?!

Jethro auf Hochglanz poliert

Jethro, auf Hochglanz poliert

In Lismore gab es auch noch mehr drum herum als bei den anderen Shows. Karrussel, Autoscooter, ein Riesenrad, etc. Auf dem Turnierplatz standen zwei Monstertrucks und hin und wieder war zwischen den Prüfungen Pause, um die Rennautos oder die Traber auf die Bahn zu schicken. Erstaunlicherweise haben die Pferde mehr Angst vor den Trabern als vor den Rennautos. Muss am Donnern der Hufe und dem damit verbundenen Fluchtreflex liegen. Zudem gab es Rinder, Hühner sind prämiert worden, Katzen wurden ausgestellt. Soweit ich mich erinnere, ist in Deutschland oft die Anwesenheit der örtlichen Feuerwehr das Highlight? Ich kann mich jedenfalls an kein Turnier erinnern, bei dem man Hubschrauberrundflüge machen konnte…

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Abenteuer Australien – Tassiriki Ranch VI

von horsepower, Kategorie Allgemein, Aus dem Leben mit Pferden am 13. Oktober 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Tassiriki-Ranch in South Ballina. Dieses Mal: Ferienende, Seepferdchen und nächtliche Klettertouren im Urwald.

Steiniger Aufstieg im Urwald

Steiniger Aufstieg im Urwald

13.10.2014
Zwei Wochen Ferien sind zuende gegangen. Dementsprechend war es auf der Ranch ziemlich ruhig. Die üblichen Ritte an den Strand standen auf dem Programm. Ich durfte dabei mein Glück erneut mit Sylvester versuchen, dem blauäugigen Paint, der sich das erste Mal so daneben benommen hatte. Diesmal hatte er zwei, drei nervöse Momente, ist allerdings nicht gestiegen und war ansonsten echt brav. Außerdem findet er Wasser ganz toll. Wenn ich ihn nicht rechtzeitig ausgebremst hätte, wären wir vermutlich irgendwann an irgendeiner Küste aufgetaucht. Ganz wie der Schwimmer bei den Beatles, mit der Frage: Wo bitte geht es nach Liverpool?

Da wenig los war, hatte ich ein bisschen frei. Eigentlich wollten Natalie, Reitlehrerin und Trailguide, und ich zum Paddle Boarding. In Deutschland ist das als ‘Stand up Paddeling’ bekannt. Warum wir wieder einen anderen englischen Begriff für einen an sich schon englischen Begriff verwenden, ist mir schleierhaft. Aber das kommt ja öfter vor. Ich sage nur ‘Handy’ oder erinnert sich jemand an den Film ‘Kick it like Beckham’? Der doch im Original ‘Bend it like Beckham’ heißt? Wie auch immer, Natalie kam mit einer spontanen Planänderung daher. Sie wollte schon immer den Mount Warning im Wollumbin Nationalpark raufklettern, um den Sonnenaufgang zu sehen. Der Name hat was mit James Cook und der Warnung vor Riffen zu tun. Bei den Aboriginies ist Wollumbin der Patriarch der Berge – und hat mit Wolken und Wetter zu tun.

Ich wurde also abends mitgenommen – wir mussten wirklich früh raus. Ich glaube, wir sind gegen 23 Uhr schlafen gegangen und um 2 Uhr wieder aufgestanden. Ausgerüstet mit Wasser, Müsliriegeln und – ganz wichtig – Stirnlampen sind wir aufgebrochen. Die Fahrt dürft gut eineinhalb Stunden gedauert haben. Im australischen Regenwald ist es morgens gegen 4 Uhr bereits ziemlich warm. Vor allem war es stockfinster. Der Anfang des 4,4 km langen Weges erinnerte mich an den Aufstieg zu den Felsenbrücken bei Dresden: Waldweg und Stufen. Das gab sich allerdings bald. In kompletter Dunkelheit, zum Glück hatten wir die Lampen, ging es über allerlei Felsen, Steine und Geröll. Dabei ging es auf der einen Seite immer relativ steil rauf – und auf der andere gleichfalls steil runter. Ich glaube nicht, dass man das in Deutschland so ganz auf eigene Faust machen dürfte.

Das Gute, wenn man einen Aussie dabei hat ist, dass der die einheimischen Tierchen kennt. Natalie hat mich zwei Mal auf die berüchtigten Springspinnen hingewiesen, die auf dem Weg saßen. Wenn die einen beißen, gibt es nicht mehr viel, das Rettung versprechen kann. Deswegen ist es auch keine so gute Idee, im Dunkeln eines der wenigen Geländer am Weg zu benutzen – es ist ja nicht zu sehen was da sitzt, und Feuerameisen waren auch unterwegs. Der letzte Teil war dann wirklich heftig. Nur die Felswand hoch, mit einer Kette am Rand als Kletterhilfe. Auf dem allerletzten Teilstück gab es nicht mal mehr die. Zwischendurch stellte sich mir hin und wieder die Frage, wie wir da wieder runter kommen. Aber der Aufstieg hat sich wirklich gelohnt, der Sonnenaufgang war traumhaft. Neben uns waren vielleicht zehn andere Leute da, alle völlig gebannt vom Naturschauspiel.

Sonnenaufgang nach 1,5h Klettern

Sonnenaufgang nach 1,5h Klettern

Runterklettern war weniger schwierig, als ich befürchtet hatte. Immerhin konnten wir dabei ja sehen, wo wir hintreten. Was aber auch zur Folge hatte, dass uns der Abstieg uns deutlich länger vorkam. Insgesamt haben wir rauf und runter für die etwa 1150 Höhenmeter je eineinhalb Stunden gebraucht. Zum Frühstück gab es anschließend Pancakes und das Paddle Boarding wurde erstmal verschoben, wir hatten auch so schon genug Muskelkater.

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Abenteuer in Australien – Tassiriki-Ranch V

von horsepower, Kategorie Allgemein am 9. Oktober 2014

CAVALLO veröffentlicht an dieser Stelle für Kathrin Friedrich, die zur Zeit durch Australien reist. Im Moment arbeitet sie auf der Tassiriki-Ranch in South Ballina. Dieses Mal: Frühlingsferien, ein begehrter Bob Marley und zuckersüße Reitstunden.

6.10.2014
Zwei Wochen Frühlingsferien sind hier gerade zu Ende gegangen. Daher war unter der Woche mehr Betrieb als üblich. Strandritte, Gäste die übernachten (teils mit eigenen Pferden) und Kinderreitstunden. Es waren zudem Kids aus einer Ferienbetreuung hier, von denen viele das erste Mal auf einem Pferd gesessen haben. Fast ein bisschen verwunderlich, wo es die doch hier an jeder Ecke gibt und auf jeden siebten Australier ein Pferd kommt. Mit Carol und Natalie waren zwei Reitlehrerinnen da, jeweils mit Assistenz von Helen bzw. mir. Es gab für jede Reitlehrerin nacheinander zwei Gruppen von vier bis fünf Kids. Die waren zwischen 10 und 14 Jahren alt. Der Unterricht ist hier grundsätzlich sehr schön aufgebaut: Die Kinder kommen an, holen ihr Pony und putzen und satteln es selbst. Ich weiß von einigen Ställen, wo das Kind gebracht wird, sich aufs gesattelte Pferd setzt, reitet und wieder geht. Dabei ist es doch das besondere am Reiten, das man mit einem Lebewesen zusammenarbeitet und eben nicht mit einem Sportgerät, das man einfach rausholen und wegstellen kann, ohne sich weiter drum zu kümmern. Wie auch immer, jedes Kind aus der Ferienbetreuung kümmerte sich um ein Pferd. Die Kinder aus der ersten Gruppe waren für das Satteln, die aus der Zweiten für das Absatteln zuständig.

Kleine Reitgäste

Kleine Reitgäste

Zuerst musste aber natürlich ausgesucht werden, wer wen reitet. Eines der Mädchen wollte anstatt des etwas größeren Duke lieber den kleineren Kel, sie war nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Dass klein nicht immer einfach bedeutet, fand sie recht bald heraus. Kel ist nämlich ein Pony und wie vieler seiner Ponykumpel fragt er gerne drei Mal nach, ob er das jetzt auch wirklich und ganz sicher machen muss – oder ob er nicht doch lieber einfach in der Sonne stehen und was fressen kann.

Bevor die Kids auf die Pferde kamen,  gab es zunächst ein paar Aufgaben zum Führen der Pferde. Amüsant, dass einige der Kinder zwei Schritte gehen, dann stehen bleiben und sich umdrehen um zu schauen, ob das Pferd auch mitkommt – das selbstverständlich dann auch anhält. Das haben aber alle schnell verstanden. Apropos schnell, eine der ersten Fragen war meistens, was man denn machen müsse, damit ein Pferd richtig schnell läuft – nur um dann schon ’scary’ zu sagen, wenn der Vierbeiner im Stehen sein Gewicht verlagert. Aber mit Geduld haben es alle zum Schrittreiten gebracht. Auch das Mädel mit Kel. Besonders begeistert waren die Kids, die auf Bob unterwegs waren. Bob mag ein Stockmaß von 1,70 m haben und ist damit einer der Größten hier. Allerdings auch einer der Entspanntesten (sein vollständiger Name ist Bob Marley). Er war sofort der Kumpel jedes Kindes, das mit ihm unterwegs war.

Bob Marley mit Fan

Bob Marley mit Fan

Nachdem der Schritt bei allen klappte, kam die nächste Herausforderung: Slalom reiten. Gar nicht so einfach,  Zügel und Beine richtig zu koordinieren. Besonders schön war die Feststellung eines der Jungs, dass das viel schwieriger sei als ein Computerspiel. Aber auch den Slalom haben alle gemeistert, sogar mit Fähnchen von den Stangen sammeln. Als Preis gab es dann zum Schluss statt der Fähnchen Lollypops auf den Slalomstangen. Kleiner Exkurs am Rande, ja, das muss in dem Fall Lollypops heißen. Lollies bezeichnen hier nämlich Bonbons.

Am Ende des Tages waren dann alle Kinder begeistert davon, geritten zu sein, auch wenn es zwischendurch immer mal wieder als ’scary’ empfunden wurde, und sind glücklich nach Hause gefahren. Wir haben uns gefreut, dass die Kids einen schönen Tag hatten, waren davon aber auch ganz schön erledigt.

Noch wird nach Fahnen geangelt...

Noch wird nach Fahnen geangelt...

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