Mit Blue auf dem Anhänger auf dem Weg nach Kreuth bekomme ich einen Anruf, Faya sei lahm…
Es war der 28.August 2010, der Beginn einer emotionalen Achterbahnfahrt, die ich keinem wünsche.
Faya war damals 18.
Volljährig. Mit 15 hatte mir der erste Tierarzt schon gesagt, sie sei halt schon älter und man müsse sich darauf einstellen, dass sie nicht ewig reitbar sei. Sie sei ja schließlich auch nicht besonders Vorteilhaft gebaut.
Jetzt diese Nachricht und wie sich eine Woche später herausstellte war der Grund der Lahmheit eine Hufbeinastfraktur.
“Das wird” meinte die Tierärztin der Klinik, nur keine Sorge. Etwas Geduld müsse man haben, aber das sei etwas “normales”, kein Drama. In 3 Monaten sei alles wieder im Lot. Nur etwas Geduld.
Faya hat Geduld bewiesen. Mehr als 3 Monate, denn es wollte einfach nichts werden. Den ganzen Winter hindurch durfte sie nur Schritt geführt werden. Mal mehr mal weniger, es wurd besser und schlechter. Bin ich froh, dass meine Pferde die Handpferdereiterei kennen und Faya neben Blue wie eine eins durch den Schnee läuft.

Es gab Tage, da zeigte meine Arabärin, was in ihr steckt. Ich hatte Angst nicht heil nach hause zu kommen. Neben Blue, als Handpferd benahm sie sich immer wie eine eins. Also ging ich irgendwann nur noch mit Handpferd raus. Jeden Abend, 20 – 30 min, einmal um unser Feld.
Faya bekam verschiedene Beschläge, div. “Pülverchen” doch im Januar sagte die Tierärztin dann: “Ich finde den Verlauf sehr unbefriedigend.”
U N B E F R I E D I G E N D! Ja.
Ich hatte getan was ich konnte, gemacht was ich sollte, Faya hatte mitgemacht, nicht die Box zerkloppt und nun? Alles für nichts? Ende aus vorbei?
Ich wollte eine weitere Meinung, nahm die Röntgenbilder und ging damit zu meinem Haustierarzt.
“Für mich sieht das nicht aus, als wenn das zusammenwachsen würde. Bis Mai würd ich das vielleicht noch versuchen, aber das Pferd wird nicht wieder reitbar werden. Seien Sie froh, wenn sie sie noch auf eine Wiese stellen können! Vermutlich wird aber auch das nicht mehr möglich.”
Der Tiefpunkt, die Frustrationsgrenze, wie auch immer man es nennen mag war erreicht. Es folgten schlaflose Nächte…
Kann man es dem Pferd noch zumuten weiter eingesperrt zu stehen?
Wird das nochmal etwas?
Hat Sie Schmerzen, von denen man sie besser befreien sollte?
Sie sah mir nicht resigniert aus, nahm an ihrer Umwelt teil, brummelte wenn ich kam. Ein resigniertes Pferd sah anders aus.
Ich beschloss ihr langsam wieder mehr “Freiheit” zu geben.
Stehen hatte nicht geholfen, vielleicht würde es mit etwas mehr Bewegeung, mehr Durchblutung besser?
Mit Blue zusammen war sie weiterhin ruhig, ich stellte die beiden zusammen auf einen mittelgroßen Paddock. Ritt mit beiden größere Runden aus… Im Mai stellte ich dann beide auf die Wiese. Es war durch die mehr Bewegung nicht schlechter geworden… warum sollte ich ihr nicht die Chance geben, sich den Sommer über so zu bewegen wie sie es wollte. Dr. Wiese, sozusagen.
Ich fing wieder an sie zu reiten. Zunächst Schritt. In Absprache mit einer weiteren Tierärztin und einer Physiotherapeutin.
Die Idee war, dass Faya sich vielleicht das Humpeln inzwischen “angewöhnt” hatte. Bzw. sich durch die Schonhaltung das ein oder andere verkürzt hatte, was dann zum Humpeln führte.
Ich ritt zunächst nur mit Faya aus. Draußen trabte ich auch etwas. Ich hatte keine Lust auf unqualifizierte Sprüche. Anhören musste ich mir auch so schon genug…
“Mach Schluss mit der, die ist schon alt, das wird nichts mehr!”
Einige Male verabschiedete ich mich von Faya. Es wurde besser und schlechter. Ich versuchte regelmäßigkeiten zu finden. Lag es am Wetter? An der Bewegung? An der Temperatur? Ich konnte nichts finden. Mal war es gut, mal nicht.
Ich beschloss ihr bis zum Ender der Weidesaison Zeit zu geben, zu warten was passiert, nicht genauer hinzusehen. Noch einen Winter in der Box lassen, das kam allerdings nicht für mich in Frage. Ich überlegte und kam zu dem Schluss, dass ja auch wir nicht jeden Tag gleich drauf sind und selbst ich nicht immer Taktrein laufe… Reha-Sport sollte doch drin sein!?
Der Wettergott meinte es gut mit uns. Ende Oktober, das normale Ende der Weidesaison humpelte Faya noch immer recht stark. Es war nun über ein Jahr her. Die Physiotherapeutin war mehrfach da und es gab immer mal wieder kurzzeitige Verbesserungen. Insgesamt aber war Faya nicht stabil. Eine Achterbahn der Gefühle.
Was sollte ich tun? War es zu verantworten dieses lahme Pferd zu reiten? Wäre vielleicht Rente die bessere Alternative? Konnte ich sie ruhigen Gewissens in Rente schicken? Oder wäre die “Einbahnstraße” doch die einzig pferdgerechte Lösung?
Ende November der Durchbruch. Ich nahm Faya mit zu meiner damals neuen Trainierin für Blue, wollte eine unabhängige Meinung. Jemanden der fachkompetent ist, aber Faya nicht kannte. Ich hatte an eine Stunde Reha-Sport gedacht. Ein Leistungstest wurde es. “Es gibt zwei Möglichkeiten: Es wird besser durch Bewegung oder es wird schlechter.” Das klang logisch. Da es durch “nicht Bewegen” nicht wirklich besser geworden war fingen wir an sie zu fordern. Ich sprach auch wieder mit Tierärztin und Physiotherapeutin… Alle waren sich einig:
Muskelaufbau. Nicht hinsehen.
Anfang Dezember hörte die Weidesaison auf. Ich konnte Faya aber ruhigen Gewissens wieder reiten. Es wurd und wird durch reiten besser, nicht schlechter. Sie hat inzwischen immer mehr Tage an denen sie Lahmfrei ist. Wir waren inzwischen auf fremden Anlagen, haben sie vor fremden Leuten geritten, die nichts von der Geschichte wussten.
Man muss ihr helfen, sie ein bisschen unterstützen, sie korrekt von hinten reiten. “Rumeiern” geht nicht. Faya muss sich einlaufen, ja auch das. Aber Faya ist nun auch schon 20.
Und:
Faya läuft.
Und wie!
Hier ein aktuelles Video…
|
2 Kommentare »