Meine Appaloosa Geschichte

Geschrieben von appyflash am 12. April 2016 | Abgelegt unter Mit Pferden reisen

eine Appaloosa Geschichte

1978 besuchte ich Studienfreunde meines Vaters in Houston, Texas.

Was für ein Erlebnis für jemanden aus einer Kleinstadt wie Emden.

Die Familie nahm mich mit auf eine Urlaubsreise von Houston  durch die Wüste bis nach Bandera, Texas.

Auf der Twin Elm Ranch in Bandera, Texas, begegnete ich zum ersten  Mal diesen für mich so ungewöhnlichen Pferden.

Dort wurden hauptsächlich Appaloosa für die geführten Schrittausritte in die Umgebung gehalten.

Diese Pferde wurden  für wenige Stunden am Tag mit “Stranger” geholt, ansonsten liefen sie im Herdenverband im Gebiet um die Ranch herum.

Stranger vertrug sich nicht mit den anderen Pferden , blieb deshalb auf der Ranch und musste bei den Ausritten immer als erstes Pferd gehen.

Wie stolz war ich, als ich nach ein paar Tagen Stranger reiten durfte. und dann auch noch mit einem Bosal. einer Zäumung, die ich im heimischen Ostfriesland noch nie gesehen hatte.

Mir gefielen diese bunten Pferde, deren Größe und außergewöhnliche Farbe. Bilder aus dieser Zeit habe ich leider nicht.

Wieder zu Hause in Deutschland las ich über diese Pferderasse,, was ich finden konnte. Das war damals  noch nicht sehr umfangreich, die ersten Westernpferde waren gerade erst in Europa angekommen .

Joker Cedar Autumn, der wunderschöne Hengst, der auf fast allen Rassetafeln damals abgebildet war, wurde mein Traumpferd.

Ein eigenes Pferd durfte ich nicht haben, aber träumen –das ging.

Ich ritt weiter  die Oldenburger, Hannoveraner, Trakehner und gelegentlich Norweger Ponys.

Einen Appaloosa sah ich life nicht; und meine Freunde vom Reitstall fanden das Interesse für diese Pferde äußerst befremdlich, da wir doch viel schönere Pferde im Stall haben, schön einfarbig und groß.

Im Sommer 1979 bewarb ich mich für ein Austauschjahr in den  USA.

Mein Traumziel: Texas, Montana oder Wyoming.

Gelandet bin ich in Toledo, Ohio (Ich vermute heute, weil ich angab, Heu Allergiker zu sein) und musste erstmal lernen, mitten in einer Industriestadt zu wohnen und mit 1200  Mitschülern in einem Jahrgang zur Schule zu gehen.

Pferde gab es in der Stadt nicht , auch leider keine 4 H Clubs.

Erst nach einem halben Jahr bekam ich die Gelegenheit in einem Reitstall Anfänger Unterricht geben zu können und dafür selber Unterricht zu bekommen.

Und zwischen all den Vollblütern und einfarbigen Quarter Horses gab es dann ROCKY.

Einen braunen Appaloosa mit Schabracke und großen Punkten. Er gehörte Privat Leuten und ich durfte ihn reiten. nur dreimal, weil meine Gastfamilie mich dann nicht mehr zum Stall fahren wollte, und , außer Schulbussen , der öffentliche Nahverkehr in den USA ja –außer in Großstädten – eher unterentwickelt ist.

Aber der Eindruck, den Rocky hinterließ, unterstrich meinen ersten , sehr guten Eindruck von dieser besonderen Pferderasse.

Nach Ende meines Austauschjahres erlaubten mir meine Eltern,  ein Pferd zu halten.

In der Zeitschrift ” Pferdemarkt” wurden gelegentlich Appaloosa angeboten, also suchte ich dort ; während meine Freundinnen die Lokalzeitung durchforsteten.

Natürlich wollte ich kein einfarbiges Warmblut, oder einen Norweger, es sollte schon eine bunte , gerittene Stute sein.

In Wyk auf Föhr gab es eine tragende Appaloosa Stute namens Princess, aber es war unmöglich ohne Auto an einem Wochenende dorthin zu kommen um sie auszuprobieren, ganz abgesehen von einem Transport nach Emden ohne Auto und Anhänger und Führerschein.

Ausserdem durfte ich EIN Pferd halten, nicht zwei, also suchte ich weiter.

Bei einem Pferdehändler fand ich dann ,

TIMMY

Timmy Februar 1981  Timmy- ein Jahr später

Klein, einfarbig braun, nicht eingeritten, aber im Preislimit.

Er war alles, was ich NICHT wollte: einfarbig braun, nicht eingeritten, voller Läuse und Würmer, mit völlig verklebtem Fell, aber dieser Blick…

Timmy begleitete mich über 30 Jahre,

Timmy und  ich 1983

Timmy und ich 1983

Als er so 20 wurde, sollte ein Nachwuchspferd her.

Diesmal nun aber wirklich ein Appaloosa, Timmy sollte ihn mit erziehen.

Ich suchte in ganz Deutschland nach einem bunten Hengstabsetzter oder Jährling. Angeboten wurden mir koppende Jährlinge, 4 Monate alte abgesetzte Fohlen für 5 stellige Summen ( okay,  waren noch DM, aber trotzdem weit mehr als ich bezahlen wollte) oder eben Stuten. Einmal war ich mit Züchtern verabredet, hatte meine Wünsche am Telefon geäußert, bin 3 Stunden dorthin gefahren , um vor Ort zu erfahren, daß die Jungpferde leider nicht vor Ort seien, sondern im Aufzucht Betrieb ca 300 km entfernt.

Das war doch sehr frustrierend.

Schliesslich las ich auf der ApHC Schau in Aachen eine Anzeige von einem Jährling und einem Zwei Jährigen , gar nicht weit weg von uns.

Die Pferde wuchsen in einer Jungpferdeherde mit einer Stute zur Erziehung auf, so wie ich es mir vorgestellt hatte.

Sehr brave, junge Pferde in einer natürlichen Umgebung, und ich entschied mich für Sammy Freckles Flash.

Cante 2005

Flash zog bei uns ein, er lernte schnell und begleitete uns – noch als Hengst – als Handpferd.

Bei einem Kinderbodenkurs fehlte uns ein Pferd, also versuchten wir es mit dem zweijährigen Jung-Hengst, der sich artig wie ein altes Schulpferd durch die Aufgaben leiten ließ. Traumhaft—so hatte ich mir das vorgestellt.

Zweijährig brachte ich ihn zurück zum Züchter, um dort noch ein paar Monate mit den Jungs herumzutollen, kastriert zu werden und dann wieder zurück zu kommen.

Ich war so stolz auf meinen Appaloosa, ich wollte ihn gern auf Turnieren zeigen.

Was lag näher als eine Vorstellung in der Heritage Class, die doch die  bemerkenswerte Geschichte der Pferde  zum Ausdruck bringen kann.

Auf der Suche nach Menschen , die mir bei der Erstellung der indianischen Ausrüstung helfen konnten, bekam ich Kontakt  zu einer Gruppe von Hobbyisten der Indianistik.

Diese Menschen teilen  meine Faszination von der Geschichte der Appaloosa Pferde und ihrer Züchter, der Nez Perce Indianer.

Auch sie möchten mit ihren Auftritten die Nez Perce Indianer ehren und an ihre traurige Geschichte erinnern.

Über einige Jahre hörte ich immer wieder von  „ dem Indianer „ aus Wildeshausen, der doch auch so ein “Appaloosa Verrückter “sei.

2002 lernte ich ihn und seine Frau kennen.

Mia Mahto führte seit vielen Jahren immer um den 21.September, den Todestag von Chief Joseph , einen Chief Joseph Memorial Trail Ritt

durch , und als Flash 4 Jahre alt war, nahmen wir das erste Mal daran teil.

Chief 09

Um eine lange Geschichte kurz zu machen. Flash und ich kamen am Boden wunderbar miteinander aus, beim Reiten aber nicht.

Wenig später hatte ich eine Appaloosa Stute, die zwar etwas speziell war. Ich musste sie zum Reiten regelrecht einfangen, Verladen war anfangs ein großes Problem, später sah es nur spektakulär aus.  Bequem war sie auch nicht, aber sehr schnell.

Wir kamen gut miteinander aus, und erlebten viele schöne Stunden , vor allem auf Wanderritten.

Birdy war schon etwas älter, und hatte  diverse gesundheitliche Probleme, man riet mir, sie nicht mehr zu reiten.

Ich schwankte zwischen Import eines geeigneten, bequemen Pferdes und der Idee , Birdy ein Fohlen bekommen zu lassen.

Ihre drei Stutfohlen, die sie vor der Zeit bei mir bekommen hatte , schienen charakterlich nicht so schwierig zu sein wie sie.

Daher nahm ich Kontakt mit Züchtern von Foundation Appaloosa ,Bill Wicklund und Rosa Yearout, aus den USA, auf, deren Pferde teils auch den Indian Shuffle ( eine Art Tölt) vererben.

Erst  kürzlich erfuhr ich , dass Mia Mahto Rosa Yearout vor vielen Jahren  persönlich auf einem Powwow kennen gelernt hatte.

Ein anderer meiner Appaloosa Freunde hatte vor wenigen Jahren einige Wochen auf ihrer Ranch verbracht .

Rosa Yearout ist zur Zeit die Älteste des Nez Perce Stammes, und bemüht sich um die Rückzüchtung der Appaloosa,

so wie sie einst Chief Joseph begleiteten.

Dazu wurden  alte Foundation Linien mit Achal Tekkiner Pferden gekreuzt, um die Ausdauer und Eleganz wieder zurückzubringen, die seinerzeit ein sogeschätztes Merkmal war.

Diese Nez Perce Pferde  sind  noch sehr selten. aber dazu komme ich später noch mal.

Schliesslich entschied ich mich, selber zu züchten, aber eine künstliche Besamung mit einem Hengst aus USA  kam aufgrund von Birdys schwierigem Charakter nicht in Frage.

Bill Wicklund half mir bei der Auswahl des am besten geeigneten Hengstes für meine Stute, in dem er die Pedigrees studierte und riet mir zu

Geronimos Pathfinder

Bereits als feststand, daß Birdy trächtig war, stand fest, daß das Fohlen Tonweya heißen würde ( Lakota Wort für Scout ,Pfadfinder)

Birdy brachte dann am 17.5.2009 ein braunes Hengstfohlen mit Spitzendeckchen zur Welt, direkt in meine Hände.

P5180580

Timmy und Tonweya

Timmy  Mai 2011

Timmys letzter Tag Mai 2011

Birdy musste ich im Sommer 2012 leider über die Regenbogenbrücke schicken.

Zum Glück hatte ich ja noch Tonweya.

Tonweya hatte von Geburt an einen Kehlkopfdefekt, ob er ein ausdauerndes Reitpferd werden könnte, war noch nicht absehbar.

Ich bereitete Tonweya vom Boden aus auf vieles vor, nahm ihn oft als Handpferd mit

Birdy und Tonweya 2010

Birdy und Tonweya 2010

Mit 2  wurde er kastriert,

aber zum Einreiten brachte ich ihn in in den Fehnstall, weil meine Freunde ihn für zu gefährlich hielten, um es selber zu machen.

Der Fehnstall ist ein Dressur- und Ausbildungsstall, in dem auch Tinker gehandelt werden, so daß es dort auch immer wieder zu Kundenverker kommt, und gegebenenfalls auch ein Reiter für Tonweya gefunden werden könnte.

Aber seit dem April 2013 reite ich meinen selbstgezogenen Appaloosa, der zwar keinen Indian Shuffle hat, aber ansonsten ein wahres Traumpferd für mich wurde.

Handy Silja 001

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Tonweya und ich  nehmen an Lehrgängen teil, reiten aus, machen Wanderritte, Nachtritte ,waren schon auf Neuwerk,auch Pony Express Reiter sind wir schon gewesen.  Am Wichtigsten aber ist, daß ich mit Tonweya ein Traumpferd habe, mit welchem ich alles machen kann, was mir als Reiter Spaß macht. Wir treffen uns einfach mal mit Freunden und Hunden zum gemeinsamen Ausritt, oder machen Bodenarbeit

Das einzige, was wir nicht machen, ist an Turnieren teilzunehmen..

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Nun kam es letztes Jahr durch ein  Missverständnis über Facebook zum Kontakt zu einem Menschen ,der mir anbot, am Chief Joseph Ritt in den USA teilzunehmen.

was für ein Angebot. Ich hielt Rücksprache mit Bill und Merry Wicklund, die mir versicherten, daß der Herr durchaus existiert und sein Angebot ernst zu nehmen sei.

Seit etwa einem Jahr nun schreiben wir uns über Facebook und haben die meisten Details der Reise geklärt.

Mit seiner Frau habe ich telefonisch weitere Details besprochen und nun nähert sich die Abreise.

Als Höhepunkt für einen Appaloosa Freund  wie mich( man nennt uns auch Appaholics), darf ich diesen Sommer am Chief Joseph Trail Ride 2016 in Montana teilnehmen, der dieses Jahr dort endet, wo  Chief Joseph am 5.10.1877 kapitulierte und seine berühmte Rede gehalten hat.

Handy Silja 152

Darüber möchte ich gern berichten, wenn es interessiert.

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| 1 Kommentar »

Ein Kommentar zu “Meine Appaloosa Geschichte


am 14. April 2016 um 21:38 1.Tatjana schrieb …

Ich freue mich schon auf deine Berichte und wünsche dir ganz viel Spaß und eine traumhafte Zeit!

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