Was für eine tolle Veränderung für Journey Europe
Geschrieben Karen Hary
Vor einem Monat fanden Olivia und ich uns in der schwierigen Lage, drei Pferde für unsere Reise auswählen zu müssen. Wir wussten, dass viele der Pferde die wir uns ansahen in Fabriken landen und zu Salami oder anderen Produkten verarbeitet würden, die dann wissentlich oder unwissentlich von Europäern konsumiert würden. Nach langem Überlegen entschieden wir uns schlussendlich für Dalì, Lapo und Clyde. Jeder von den dreien brachte etwas Spezielles in die Gruppe ein und bereicherte unsere Story. Dalì war mit seinen 19 Jahren der Senior des Trupps, aber auch derjenige mit stärkstem Herzen und bester Lunge! Von Natur aus freundlich und den Menschen zugetan war er der spontane Liebling für uns und jeden, dem wir unterwegs begegneten.
Lapo hingegen, ist mehr ein „liebenswerter Bengel“, er sieht blendend aus aber hat nicht gerade die besten Umgangsformen. Obwohl er gross und stark ist, haben Jahre der Unterbeschäftigung und Überfütterung doch seine Gesundheit unterminiert.
Clyde schlussendlich, ist Olivia’s Spezialprojekt. Sein Zustand war noch vor einem Monat so erbärmlich, dass ich mir beim Gedanken daran, ihn über eine lange Distanz zu reiten, ernsthaft Sorgen machte.
Olivia war jedoch sicher, dass er mit etwas Zeit, viel gutem Futter und langsamer, beständiger Bewegung, schnell wieder fit sein würde. Ich freue mich zu sagen, dass sie offensichtlich recht hatte, denn Clyde’s Zustand hat sich radikal verbessert.
Während des letzten Monats hatten sich die „Jungs“, wie wir sie nennen, zu einer regelrechten kleinen Familie zusammengefunden. Clyde hat dabei die Rolle des Anführers übernommen, mit Lapo als Vize. Dabei geschah es immer öfter, dass Dalì zum fünften Rad am Wagen wurde. Aber trotz der Tatsache, dass Clyde und Lapo das “ dynamische Duo” wurden, pflegten die drei doch eine enge und freundschaftliche Beziehung. Und als Lapo letzte Woche die Rolle des Packpferdes übernahm, hatte ich die Gelegenheit, lange Stunden mit Dalì verbringen zu können. Dabei lernte ich den älteren, aber rüstigen Herrn sehr schätzen. Nach einer langen Woche zu Pferd waren wir froh, einen Rasttag auf dem Hewenhof Pferdehof von Steffi Klotz und Walter Wiesheu einlegen zu können. Einmal mehr wurden wir freundlich empfangen und grosszügig bewirtet, und mit einer warmen Dusche und einem weichen Bett verwöhnt. Der Hewenhof ist für Pferde und Menschen gleichermassen ein wunderbarer Ort. Die Pferde leben in einer Herde zusammen, haben freien Zugang zur Weide und genügend Schutz vor der Witterung. Die Herde setzt sich aus Pferden verschiedenster Altersgruppen zusammen; von 6 Monaten bis 30 Jahren sind alle möglichen Farben, Rassen und Grössen vertreten.
Ich ging zwischen diesen glücklichen Pferden umher und wurde überall mit freundlichem Interesse begrüsst : mit nach vorn gerichteten Ohren kamen sie zu mir und beschnobberten mich total angstfrei.
Dies ist das Leben, welches ich allen Pferden wünschen möchte und es gibt mir Hoffnung zu sehen, dass so etwas möglich ist und hier in Deutschland aktiv gelebt wird.
Etwas was ich in meinem Leben gelernt habe ist die Tatsache, dass man alle sich bietenden Gelegenheiten ernsthaft erwägen soll. Einige meiner erinnerungswürdigsten Erfahrungen begannen als Witz oder als schräge Idee. Als deshalb Steffi halb im Scherz fragte, ob wir nicht vielleicht gewillt wären, ihr Dalî zu überlassen, dachte ich ernsthaft darüber nach. Olivia und ich besprachen die Vor- oder Nachteile die sich für Dalì ergeben würden, wenn er mitkäme oder zurückbliebe. Gleichzeitig diskutierten wir die Veränderung, die so ein „Rosstausch“ für unsere kleine Herde und unsere Story mit sich bringen würde. Denn Dalì war ja gewissermassen unser Botschafter für ältere Pferde und seine Stimme zu verlieren, das konnten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Nach längerer Diskussion kamen wir jedoch zu dem Beschluss, dass es wohl unmöglich sein würde, ein besseres Umfeld für Dali zu finden, in welchem er seine „Goldenen Jahre“ verbringen könnte. Wir schliefen dann eine Nacht lang über diesen Entschluss und fragten Steffi am darauffolgenden Morgen während des Frühstücks, ob sie wohl für ein paar Stunden Dalì reiten wolle, während ich Lollipop, das Pferd welches Steffi uns im Tausch angeboten hatte, übernehmen würde.
Steffi verliebte sich dann auch gleich in unseren Jungen, und erklärte uns während des Ritts sie hoffe, dass Dalì einer ihrer Töchter dabei helfen könne, nach einem unglücklichen Reitunfall wieder Vertrauen zu fassen. Olivia strahlte beim Gedankan daran, dass Dalì nun von einem kleinen Mädchen geliebt werden würde. Und damit war klar, dass Dalì schon hier sein Zuhause für den Rest seines Lebens gefunden hatte und es irgendwie einfach unser Job gewesen war, ihn von Italien in ein kleines Dorf in Deutschland zu bringen. Lollipop ist eine etwas grössere Version von Clyde und damit haben wir ein fast gleich aussehendes Paar Füchse im Team. Er ist vier Jahre alt, sehr lebhaft, etwas zerstreut, aber hat einen sanften Blick und ein angenehmes Temperament. Obwohl er noch jung ist, hat er doch einen starken Charakter und fügt sich leicht in unsere kleine Herde ein. Wir werden bald mehr Informationen über ihn schreiben und natürlich figuriert er auch in unserem nächsten Fitness-Bericht . Aber heute Abend sind wir einfach dankbar, wenn auch ein Wenig traurig, sagen zu müssen, dass Dalì schon sein neues Zuhause gefunden hat. Wir werden ihn bestimmt vermissen, aber ich bin froh, dass ein neues Leben auf ihn wartet; ein Leben in dem er die Liebe eines kleinen Mädchens erleben darf: für ein altes Pferd doch schon einmal ein Stück Pferdehimmel.
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