Ein Bericht von der Autorin Carmen Lein.
“Wo ist NIKKI?”
Rrrring. 6.30 Uhr mein Wecker klingelt. Ein kurzer Blick durchs Fenster verrät mir, es ist morgen.
“Guten morgen liebe Mami, ich liebe Dich für die ganze Welt” flüstert mir meine vier Jahre alte Tochter Anna ins Ohr. “Ich Dich auch mein Putzi” flüstere ich zurück.
“Mama, gehen wir jetzt zu Nikki reiten?” fragt mich Anna noch im Halbschlaf.
“Häh, um 6.30 Uhr in der früh schlafen alle Ponys noch.” erfinde ich einfach.
Während ich die noch fast schlafende Anna ins Kinderzimmer schiebe laufen die Jungs Marcel und Jonas an mir vorbei und bereiten sich für die Schule vor.
“Oh nein, meine Auktion für den Westernsattel bei Ebay läuft aus, ich muss schnell nach oben.”
rufe ich den beiden Jungs entgegen. “ Keine Angst Mama, wir kümmern und ums Frühstück und um Anna” beruhigt mich mein Sohn Marcel.
Während ich am PC in meinem Atelier sitze und wie wild auf meine Computer Tastatur hacke, läuft in der unteren Etage bei den Kindern alles wie am Schnürchen.
“Ja ich habe den Sattel ersteigert” freue ich mich und gehe wieder die Wendeltreppe nach unten.
Die Jungs stehen mit ihrem Schulranzen punkt 7.00 Uhr an der Tür und haben ihre Schwester an der Hand. “Mama sollen wir Anna mit zum Kindergarten mitnehmen?” fragt mich Jonas.
“Nein, aber danke für die Nachfrage. Ich bringe sie, wenn ich zum Stall fahre selber hin.” bestimme ich.
Die Jungs sind unterwegs zur Schule. Jetzt kann ich mich endlich fertig machen und verschwinde im Badezimmer und gönne mir ein Zehnminuten Bad.
“Mama, ich mal die Reithose angezieht und den einen Pullover von Tante Jacky mit den Pony drauf ja?” freut sich Anna und steht mit einem breiten Grinsen vor der Wanne.
“Oh Anna, wir wollen doch in den Kindergarten gehen” schimpfe ich vorsichtig.
“Ich will aber zu Nikki, ich kann nicht ohne sie mehr leben, bitte bitte Mama.” fleht Anna mich mit ihren großen braunen Augen an.
“Aber der Kindergarten wartet doch auf Dich” versuche ich sie umzustimmen.
“Mama, bitte. Dein Samira wartet auch auf Dir und will mit dir reiten.” weiß Anna besser.
Naja, es ist eh einer der letzten Tage im alten Kindergarten bevor sie dann in die Vorschule wechselt.
Es ist wunderschönes Wetter und überlege mir, doch die Zeit mit meiner Tochter zu verbringen.
“Ok. Warte. Ich trockne mich erstmal ab” keuch ich und tappe aus der Badewanne. Angezogen, geschminkt und gefrühstückt sitzen wir im Auto und fahren Richtung Stall. Die Sonne scheint wie in einem Bilderbuch. Ein tolles Wetter zum ausreiten. Eigentlich hatte ich für den Vormittag was anderes geplant, was ich nun umdisponieren muss. Aber meiner Prinzessin kann ich nur selten was abschlagen. Komisch. Marcel und Jonas haben nie so verrückte Sachen von mir verlangt.
Ich versuche sämtliche Termine telefonisch zu verlegen und weise meinen Mann an zur Bank zu fahren um meinen Banktermin wahr nehmen zu können.
“Mama, sind wir gleich da?” fragt Anna interessiert und schaut aus dem Auto.
“Da, ich sehe sie. Mein Samira und mein Nikki Pony, sie sind noch nicht geklaut worden” brüllt mir Anna ins Ohr.
Als wir aus dem Auto aussteigen kommt mit der Hofbesitzer Jakob entgegen.
“Hallo ihr zwei, schön Euch zu sehen, Eurer Nikki geht’s nicht so gut” sagt er mir im ernsten Ton.
“Wie bitte. Was fehlt ihr denn?” frage ich entsetzt. “Sie hat wohl eine Kolik oder eine Darmverstimmung, am besten du rufst den Tierarzt an?” fragt Jakob mich und holt sein Handy aus der Jacke um mir die Telefonnummer vom Tierarzt rauszusuchen.
Etwas bedrückt gehe ich über den Hof zum Paddock um Nikki zu holen.
Da steht sie nun. Eingefallen, lustlos und frisst nicht. Super. Wenn ein Problem da ist, gesellt sich gerne noch ein zweites Problem dazu.
Ich führe das Pony um den Hof und versuche Nikki zum fressen und spazieren gehen zu motivieren. Aber sie steht nur da und vegetiert dahin. Armes kleines Pony.
“Was hat meine Nikki den? Ist die schon tot?” fragt Anna leise und kämpft mit den Tränen.
“Nein, sie wird es schaffen. Mama wird alles dafür tun, damit Nikki gesund wird” motiviere ich meine süße Tochter und drücke sie an mein Herz. Ich rufe den Tierarzt der mir gleich innerhalb einer Stunde einen Termin bestätigt. “Ist gut, bitte bringen sie alles mit, ich möchte dieses Pony nicht verlieren, tschüss” beende ich das Telefonat mit dem Tierarzt.
Rrrrring. Das Telefon klingelt wieder. Ich werde noch wahnsinnig.
“Guten morgen, sie sprechen mit Carmen Lein, mit wem habe ich das Vergnügen?” versuche ich trotz stress freundlich am Telefon zu bleiben.
“Hallo hier ist Tanja Scheller, ich habe von der Kindereventagentur Werbung gelesen und wollte fragen ob man das Indianerevent auch vor der Eröffnung des Kindereventladens schon buchen kann” fragt die Frau am anderen Ende des Hörers.
Ich beantworte alle Fragen und kann in meinem Terminkalender die erste Buchung für die nächsten Tage notieren. Neben mir zappelt Anna und führt Nikki zurück in den Stall. Nun lässt das Pony noch mehr den Kopf hängen.
“Mama wir müssen los , meine Püppi wartet auf mich” bestimmt Anna.
“Hallo, gerade wolltest du noch zu deinem Pony, und jetzt wo es krank ist, willst du nach Hause?” frage ich sie entsetzt.
“Mama, Nikki braucht Ruhe, sonst wird sie nicht gesund” protestiert meine Tochter. In der Hoffnung zuhause einen Babysitter vorzufinden setze ich mich mit Anna wieder ins Auto und kachel nachhause.
Zuhause angekommen wartet Marcel schon auf mich. “Mama, schau mal was ich in der Hand habe, die neue Cavallo habe ich dir aus dem Shopping Center mitgebracht” sagt Marcel und legt die Zeitung an die Badewanne.
“Prima, vielleicht komm ich später dazu sie zu lesen, vielen Dank mein Kind” entgegne ich zurück und streiche Marcel überm Kopf.
“Macht bitte eure Hausaufgaben und räumt das Zimmer auf” posaune ich durch den Flur.
“Mama was gibt’s zu Essen, ich habe Hunger ?” fragt Anna .
“Was leckeres” antworte ich zurück und koche ein tolles Mittagessen für beide Kinder.
Zwischen Nudeln kochen und Bügeln hält mir Marcel sein Diktat vor die Nase. “Nur ne zwei Minus Mama” sagt er und rümpft die Nase.
“Ist doch völlig in ordnung” lobe ich meinen Sohn.
Ein Schlüssel wird ins Schloss gesteckt…..ah mein Mann kommt die Tür rein. “Papa, endlich. Hast du Gelder gedient für Essen und ein noch ein Pony?” sprudelt es aus Anna und fällt meinem Mann Dietmar in die Arme.
“Super , hallo Schatz, kannst du die Kinder übernehmen ich muss noch mal zum Pferd fahren. Nikki geht es nicht so gut ?” frage ich ihn und packe meine Handtasche. “Na klar, ruf mich an, wenn du mehr weißt.” entgegnet mir mein Ehegatte.
“Bis später. Ich bin in ein, zwei Stunden zurück” sage ich zu Dietmar und verabschiede mich liebevoll von ihn und meinen Kindern.
“Ach ja vergesse Jonas nicht noch vom Hort abzuholen” rufe ich noch aus dem Flur die Treppe hoch.
Auf dem Reithof angekommen sehe ich Samira mir schon auf der Koppel entgegen kommen.
Doch von Nikki ist weit und breit nichts zu sehen. Ob sie die Stunden im Stall überstanden hat?
@Bericht von Carmen Lein

Nach der überstandenen Kolik
Nach einer wahren Begebenheit….
(Wie es weiter geht kannst du im nächsten Kapitel lesen)
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