Woche 6: Scuol – Champfèr
Meine (Eliane) Reise begann am 17. Juli in San Jon bei Scuol. Nicht wissend was mich erwartet (da dies mein erster Wanderritt überhaupt war), begab ich mich mit leichtem Gepäck auf den Reiterhof San Jon bei Scuol. Dort warteten auch schon Isa, Pia, Jaime und Caro auf mich. Eigentlich wollte Caro noch die Hufe der Pferde feilen, da Petrus jedoch den Wasserhahn aufdrehte, mussten wir dieses Vorhaben vertagen. Dafür durften wir die Gastfreundschaft auf dem sympathischen Reithof San Jon geniessen, wo wir den Abend ausklingen liessen.
Tag 1 – Von San Jon nach Lü über den Pass da Costainas. Am nächsten Morgen war es soweit: Das erste Mal Lupo putzen, Hufschuhe anziehen und satteln (ich kann nur sagen: Übung macht den Meister und ich brauche noch welche…ist doch was anderes als mit Hufeisen und Sattel ohne „Anhängsel“). Nachdem wir alles aufgeladen, Abschiedsfotos gemacht (siehe Isas Beitrag der Vorwoche) und Tschüss gesagt haben, sind Caro und ich mit Reina, Lupo und Nadja losgelaufen. Auf dem Weg nach S-charl, überholte uns ein Kutscher, welcher uns sogleich anbot, Nadjas Gepäck auf dem Wagen mitzuführen. So wurde Nadja ihr Gepäck los und wir konnten sogar etwas traben. Nach einem kleinen Stopp in S-charl ging es dann weiter durch ein sehr malerische Landschaft auf den Pass da Costainas (2251m) und hinunter nach Lü. Dort konnten wir bei einer netten Bauernfamilie die Pferde auf die Weide stellen und im Stall übernachten. Besten Dank!
Tag 2 – Von Lü nach Müstair. Am nächsten Tag wanderten wir dann los nach Müstair. Da Nadja ihre Grippeimpfung brauchte, hatte Caro die Telefonnummer eines Tierarztes im Sack. Dieser gab uns auch gleich den Tipp, dass wir vielleicht auf dem Hof Schons unterkommen könnten. Spontan durften wir mit den Pferden bei Tina und Marco Caratsch, die Besitzer des Hofs, übernachten. Die Pferde hatten eine riesige Weide für sich und wir kamen in den Genuss eines herrlichen Heubettes! Nochmals vielen herzlichen Dank für die tolle Gastfreundschaft die wir geniessen durften und auch, dass ihr keine Mühe gescheut habt, mich kurz ins Spital zu fahren, wegen meinem Stich!
Tag 3 – Von Müstair nach Lago S. Giacomo di Fraéle. Ausgeschlafen und gut versorgt wanderten wir los durch das Val Vau hinauf zum Döss Radond (2234m) und weiter durch das Val Mora. Nun, wir waren nicht die Einzigen, die diesen Weg an diesem Tag vor sich hatten. Zufälligerweise fand gerade am gleichen Tag auf dieser Strecke ein Bike-Marathon statt. Etwa tausend Velos sind an uns vorbei gedüst und wir wurden zum beliebten Fotosujet für die Biker, welche sich doch mehrheitlich über uns gefreut haben. Nach der Alp Mora führte unser Weg über einen sehr schmalen Pfad über den Passo Val Mora (1952m) zum Lago S. Giacomo di Fraéle, wo wir übernachteten. Wir waren auf alle Fälle froh, dass die Biker schon an uns vorbei gezogen sind, es wäre wohl etwas knapp geworden auf dem dünnen Pfad. Die Umgebung um den Lago S. Giacomo di Fraéle war ziemlich ausgestorben und wir verbrachten daher die Nacht hinter einem kleinen Hüttchen in Caros Zelt. Die Pferde kamen in den Genuss einer schönen Alpweide.
Tag 4 – Von Lago S. Giacomo di Fraéle nach Livigno. Früh morgens haben wir die Pferde gesattelt und sind aufgebrochen zur Alpisella (2299m). Das Panorama auf dieser Strecke war wieder einmal umwerfend. Der Abstieg von der Alpisella nach Livigno hielt dann noch ein kleines Abenteuer bereit. Kurz vor Livigno gibt es eine Holzbrücke, welche man überqueren muss, um zum Lago di Livigno zu gelangen. Diese Brücke ist jedoch so schmal, dass sogar ein Bike nur knapp durchpasst. Nun, so dick wie wir bepackt waren… Also hiess der Plan: absatteln, Pferde einzeln durchführen und wieder aufsatteln. Nach dem Absatteln führte Caro als erstes Lupo über die Brücke, welcher ohne zu zögern mitlief! Daraufhin lief Nadja auch gleich selber über die Brücke, nur Reina brauchte noch etwas Überzeugungsarbeit, aber ging dann auch bravourös über die Holzbrücke! Also Hut ab vor den Dreien, das macht nicht gerade jedes Pferd! In Livigno suchten wir dann etwas länger nach einem Reitstall. Da wir beide kein Italienisch sprechen, dauerte es etwas bis wir verstanden, wo genau wir hin mussten (vor allem, da es die Italiener mit den Zeitangaben nicht wirklich so genau nahmen….). Nachdem wir ca. 5 Leute nach dem Weg gefragt haben, fanden wir letztendlich unsere „Gauchos“, welche uns ohne zu zögern aufnahmen.
Tag 5 – Von Livigno nach Madulain über den Pass Caschauna. Nach einer gemütlichen Nacht auf dem Sofa draussen in Livigno wartete eine grosse Strecke auf uns: Der Pass Caschauna (2694m) wollte von uns bezwungen werden. Der Anstieg über diesen Pass, welcher uns wieder in die Schweiz bringen sollte, war sehr steil und die Aussicht einfach spektakulär! Oben angekommen legten wir eine Mittagspause ein bevor wir dann den Abstieg in Angriff nahmen. Dieser präsentierte sich dann auch alles andere als einfach. In der Bikersprache würde das ausgedrückt werden als „sehr anspruchsvoller Singletrail“. Oder anders gesagt: ein kleiner, unebener Pfad führte sehr steil den Berg hinunter (also ich hätte nicht mit dem Bike herunterfahren wollen…lebensgefährlich würde ich das nennen….). Aber Caros Pferde haben auch diese Herausforderung wieder sehr gut gemeistert und wir sind alle gesund und munter unten angekommen! Danach sind wir weiter über S-chanf nach Madulain geritten. Nach dem langen Ritt in Madulain angekommen, durften wir bei der Familie Willy auf der Engadin River Ranch übernachten, wo wir sehr herzlich aufgenommen wurden. Wir wurden mit „Chilli con Carne“ bekocht und durften sogar in einem riesigen Hot Pot, der extra für uns aufgewärmt wurde, baden! Vielen lieben Dank an die ganze Familie für diesen tollen Abend und die grossartige Gastfreundschaft die wir erfahren durften!
Tag 6 – Von Madulain nach Champfèr. Nach einer wunderbaren Nacht im Hause Willy und einem ausgiebigen Frühstück sind wir dann weiter nach St. Moritz bis nach Champfèr gezogen. Nach einer sehr warmen und trockenen Woche wurden wir nun doch noch etwas verregnet. Glücklicherweise war die Strecke nicht so lang und daher war der Regen nicht so schlimm. Etwas durchnässt sind wir dann nach ein paar Stunden in Champfèr angekommen, wo Caro mit ihren Pferden einen Tag Pause einlegte.
Für mich war das leider bereits die letzte Etappe. Nach einer Woche, in welcher ich wunderschöne Landschaften, viele Abenteuer und die Nähe zu den Pferden geniessen durfte, ging es für mich wieder zurück in die Realität. Es war wirklich ein super Erlebnis mit dir Caro! Vielen herzlichen Dank an dich, dass Du mir deine Welt des Wanderreitens gezeigt hast und an die wirklich tollen Pferde, welche uns so sicher durch die Gegend getragen haben! Aber auch ein grosses Dankeschön an all die unglaublich gastfreundlichen Menschen, welche uns bei sich aufgenommen haben!
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